Everest-Gipfelwelle rollt – Lhakpa Sherpa zum zehnten Mal oben

Lhakpa Sherpa

Sie wolle „der jüngeren Generation zeigen, wozu Frauen in der Lage sind“, schrieb Lhakpa Sherpa im Februar auf Facebook, als sie ankündigte, dass sie 2022 die beiden höchsten Berge der Welt besteigen wolle. Im vergangenen Jahr hatte sie dieses Projekt finanziell noch nicht stemmen können. Nun hat Lhakpa Teil eins geschafft: Die 48 Jahre alte Nepalesin erreichte heute zum zehnten Mal – mit Flaschensauerstoff – den Gipfel des Mount Everest auf 8849 Metern. Schon vorher war sie die Frau mit den meisten Everest-Gipfelerfolgen weltweit.

Achtmal über die Nordseite

Lhakpa am Everest-Gipfel mit einem Foto ihrer Töchter (2017)
Lhakpa am Everest-Gipfel mit einem Foto ihrer Töchter (2017)

Es war Lhakpas zweite Besteigung von der nepalesischen Südseite aus und damit gewissermaßen die Rückkehr zu ihren Everest-Wurzeln: Im Jahr 2000 hatte die damals 26-Jährige als Leiterin einer nepalesischen Frauen-Expedition ihren ersten Gipfelerfolg am höchsten Berg der Erde gefeiert. Damals schrieb Lhakpa Geschichte: Sie war die erste Frau aus Nepal, die den Everest bestieg und lebend wieder zurückkehrte. Die erste Nepalesin auf dem Gipfel, Pasang Lhamu Sherpa, war 1993 beim Abstieg ums Leben gekommen. Zwischen 2001 und 2018 folgten acht weitere Gipfelerfolge Lhakpas über die tibetische Nordseite des Bergs.

Job im Supermarkt

Die alleinerziehende Mutter eines Sohns und zweier Töchter lebt in Hartford im US-Bundesstaat Connecticut, wo sie ihr Geld in einem Bio-Supermarkt verdient. 2018 gründete sie „Cloudscape Climbing“, ihre eigene Expeditions- und Trekkingagentur, die aber bislang jedoch noch nicht so viel Geld abwarf, dass sie auf ihren Job im Supermarkt verzichten konnte. Im kommenden Sommer will Lhakpa auch den K2 in Pakistan besteigen. 2010 hatte sie sich vergeblich am zweithöchsten Berg der Erde versucht. Oberhalb von Lager 3 auf 7200 Metern war Endstation – zu schlechtes Wetter. „Eines Tages werde ich den Gipfel erreichen“, schrieb mir Lhakpa Sherpa im vergangenen Jahr.

Politische Botschaften im Rucksack

Sonnenaufgang am Mount Everest
Sonnenaufgang am Mount Everest (im Herbst 2019)

Heute erreichten mehrere dutzend Bergsteiger kommerzieller Teams – mit Flaschensauerstoff – den Gipfel des Everest. Darunter waren dem Vernehmen nach auch sieben Mitglieder des „Full Circle Everest“-Teams, das ausschließlich aus schwarzen Bergsteigerinnen und Bergsteigern besteht. Sie wollten mit ihrem Aufstieg nach eigenen Worten „die Schranken hervorheben, die immer noch für Schwarze im Outdoorsport bestehen“ und die nächste Generation bergsteigender People of Color inspirieren, „nach ihren persönlichen Gipfeln zu streben“.

Ebenfalls eine politische Botschaft im Gepäck hatte Antonina Samoilova, die heute auch auf dem Dach der Welt stand. Sie ist die einzige Ukrainerin unter den 317 ausländischen Bergsteigerinnen und Bergsteigern, denen die nepalesische Regierung für dieses Frühjahr Everest-Permits ausstellten. Die 33-Jährige wollte die ukrainische Flagge auf den höchsten aller Berge bringen – „als eine weitere Erinnerung an die Welt, dass die Ukraine immer noch kämpft und wir kämpfen werden, bis wir gewinnen“, wie Antonina auf Instagram verkündet hatte.

Weiterer Todesfall

R.I.P.

Zu beklagen ist der dritte Todesfall der Frühjahrssaison am Mount Everest: Der 32 Jahre alte nepalesische Bergführer Dipak Mahat, der am Dienstag höhenkrank aus Lager 2 auf 6400 Metern ausgeflogen worden war, starb heute in einem Krankenhaus in Kathmandu. Am vergangenen Wochenende war der 55-Jahre alte russische Bergsteiger Pavel Kostrikin in Lager 1 auf rund 6100 Metern gestorben– offenbar ebenfalls an der Höhenkrankheit. Im April war der 38 Jahre alte Ngimi Tenji Sherpa im Khumbu-Eisbruch tot zusammengebrochen.

Update 13. Mai: Auch heute erreichten wieder mehrere dutzend Mitglieder kommerzieller Teams den Gipfel des Mount Everest, darunter wohl auch zwei meiner früheren Expeditionsleiter, Luis Stitzinger und Herbert Wolf – außerdem Gerhard Osterbauer, der mich in den letzten Wochen regelmäßig mit Informationen vom Everest versorgt hat. Glückwunsch an alle!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Social media & sharing icons powered by UltimatelySocial
error

Enjoy this blog? Please spread the word :)