Expeditions-Hotspot K2

K2
Der 8611 Meter hohe K2 im Karakorum (im Sommer 2004)

Wird der K2 wie der Mount Everest zum Verkaufsschlager? Nein, das muss ich nicht mehr als Frage formulieren. Der 8611 Meter hohe Berg an der Grenze zwischen Pakistan und China ist bereits ein Renner im Angebot der kommerziellen Expeditionsveranstalter. Karrar Haidri, Chef des Alpine Club of Pakistan, sagte der pakistanische Zeitung „The News“, in diesem Sommer würden mehr als 400 Bergsteigerinnen und Bergsteiger versuchen, den zweithöchsten Berg der Erde zu besteigen. Zum Vergleich: Für die zurückliegende Frühjahrssaison am Everest erteilte die Regierung Nepals 325 Besteigungsgenehmigungen, im Rekordjahr 2021 waren es 408.

Anspruchsvoller, gefährlicher

Blick von der K2-„Schulter“ auf den „Flaschenhals“

Damit hören die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Bergen jedoch auf. Die technischen Schwierigkeiten auf den beiden Everest-Normalrouten über den tibetischen Nordostgrat und den nepalesischen Südostgrat sind überschaubar. Am K2 ist die Normalroute über den Abruzzi-Sporn, den Südostgrat, deutlich steiler und anspruchsvoller – auch wenn sie, wie am Everest, bis zum Gipfel mit Fixseilen gesichert ist.

Auch die objektiven Gefahren am zweithöchsten Berg sind größer als jene am höchsten. Während der Everest nach Südwesten hin durch die Lhotse-Südwand und den Nuptse etwas windgeschützt ist, steht der K2 weitgehend frei und ist den häufig aus westlicher oder südwestlicher Richtung kommenden Stürmen schutzlos ausgesetzt.

Die Schlüsselstelle der Route, der so genannte „Flaschenhals“, ist zudem extrem lawinengefährdet. Riesige Gletschertürme überragen die schmale Rinne auf rund 8200 Metern, die sich nicht umgehen lässt. Der Klimawandel, der auch am K2 zu höheren Temperaturen geführt hat, sorgt für ein erhöhtes Risiko, dass sich die Eis- und Schneemassen lösen.

Staus unvermeidlich

Gedenkstelle für die Toten vom K2, im Hintergrund der Broad Peak (2004)

Wenn sich so viele Bergsteigerinnen und Bergsteiger wie in dieser Saison die K2-Normalroute teilen müssen, erscheinen Staus an vielen Stellen unvermeidbar. Damit erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich weitaus größere Unglücke ereignen als die „Katastrophe“ oder „Tragödie“ von 2008, wie sie seinerzeit in den Medien bezeichnet wurde: Elf Menschen kamen damals im Gipfelbereich bei einer Serie von Serac-Abbrüchen und Lawinen ums Leben.

Der K2 gehört ohnehin zu den Achttausendern mit den höchsten Todesraten. Auf bisher rund 450 erfolgreiche Besteigungen kommen mehr als 90 Todesfälle. Vielleicht erklärt das, warum sich bei mir ein mulmiges Gefühl einschleicht, wenn ich mir vor Augen halte, dass sich in dieser Saison mehr als 400 Menschen am K2 tummeln. Von den Umweltproblemen einmal ganz zu schweigen.

Günstigere Permits

Insgesamt sind laut Karrar Haidri in diesem Sommer mehr als 1400 ausländische Bergsteigerinnen und Bergsteiger an den Bergen Pakistan unterwegs – so viele wie noch nie seit den Anschlägen vom 11. September 2001, die zu einem Einbruch des Tourismus im Land geführt hatten. Inzwischen kann man online Einreisevisa für Pakistan ordern.

Die Regierung lockt zudem mit eher niedrigen Besteigungsgebühren. So kostet ein Permit für den K2 für ein siebenköpfiges Team 7200 US-Dollar sowie für jedes weitere Mitglied 1200 Dollar. Auch hier der Vergleich zum Everest: Für ihn muss man in Nepal 11.000 Dollar berappen – pro Person.

P.S.: Ihr habt euch vielleicht gefragt, warum ich zuletzt seltener als sonst Blogbeiträge veröffentlichte. Ich habe vor zweieinhalb Wochen plötzlich meinen einzigen Bruder verloren. Das hat mich ziemlich aus der Bahn geworfen … 🙁

12 Antworten auf „Expeditions-Hotspot K2“

  1. Oh, das tut mir sehr leid. Viel Kraft für diese schwere Zeit, lieber Stefan. Ich habe tatsächlich deine Blogbeiträge, die ich sehr gerne lese, schon vermisst. Alles Gute, Monika

  2. Herzliches Beileid ! Irgendwie hat das Hoehenbergsteigen schon laenger seinen „Charme“ verloren mit all dem run auf nunmehr alle 8000er mit ausgiebig O2 und hoher Sherpa/Klient Ratio. Aber es gibt immer mehr Leute die sich Hoehenbergsteigen genau so vorstellen, also geht das Geschaeft auf. Das militaerische Rettungssystem wird ausgelastet sein ….Mir schaudert immer wenn ich ueber die riesigen Gruppen lese und mir die kaum Platz hergebenden C1/C2 vorstelle.

  3. Da rücken die Nachrichten von den Bergen der Welt – die ich sonst immer so gerne lese – in den Hintergrund! Mein herzliches Beileid und ganz viel Kraft 🕯

  4. Auch von meiner Seite herzliches Beileid, lieber Stefan ! So sehr ich Deine Beitraege schaetze, sind Berge in solchen Augenblicken saekundaer…

  5. Lieber Stefan,
    Du bist in deiner Leidenschaft für die authentische, ehrliche,fachlich fundierte und leidenschaftliche Begleitung der “ Abenteuer am Berge“ unübertroffen – umso mehr meine betroffene Anteilnahme an deiner aus der Spur geratenen Situation durch den Hinübergang deines Bruders.
    Ich durfte Wege und Spuren und viele bereichernde Gespräche mit dir teilen, so teile ich auch meine hoffende Überzeugung mit den Worten von Hubert von Goisern mit dir ( nach Paulus 1 Kor):
    “ Ich werde singen, tanzen, lachen – ich werde: des gibts net schreien, ich werde endlich glücklich sein!“
    Churchy

  6. Mein herzliches Beileid und viel Kraft in dieser Zeit! Ich lese immer gerne diese Blogbeiträge.

  7. Ich danke euch allen für eure mitfühlenden und einfühlsamen Worte. Sie helfen.

  8. …habe mich tatsächlich gefragt, warum seltener Blogbeiträge. Ich dachte wahrscheinlich urlaubsbedingt…
    Herzliches Beileid wegen Ihrem Bruder und Alles Gute!
    Robert W.

  9. Mein herzliches Beileid!
    Wie furchtbar. Wünsche Ihnen viel Kraft für die Zukunft

Kommentare sind geschlossen.

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