Felix Prokop: Ohne Atemmaske auf den Cho Oyu, mit Skiern runter

Felix Prokop im Aufstieg zum Cho Oyu

Auch Felix Prokop ist in diesem Herbst Nirmal Purja am Berg begegnet. Der 28 Jahre alte deutsche Bergsteiger traf den Nepalesenr – der sich in den nächsten Tagen an der Shishapangma anschickt, sein „Project Possible“ (alle 14 Achttausender in weniger sieben Monaten) erfolgreich abzuschließen – unterhalb von Lager 1 am Cho Oyu. „Nims“ hatte gerade seinen zwölften Achttausender abgehakt. „Ich habe ihm zum Gipfel gratuliert“, schreibt mir Felix. „Er war recht freundlich und war sichtlich in Eile, möglichst schnell abzusteigen. Ich glaube, er wollte am nächsten Tag bereits wieder im Basislager des Manaslu sein. Vor Ort ist er schon ein kleiner Rockstar. Auch die Sherpas scheinen sehr beeindruckt von ihm zu sein.“ Nicht ohne Grund: Vier Tage später, am 27. September, stand Purja bereits auf dem Gipfel des Manaslu, seinem 13. Achttausender seit Ende April.

Nur einmal die Ski abgeschnallt

Auf dem Gipfel

Zu diesem Zeitpunkt hatte auch Felix seinen Gipfelerfolg in der Tasche: Am 25. September erreichte er den höchsten Punkt des Cho Oyu, auf 8188 Metern. Der sechsthöchste Berg der Erde war der erste Achttausender, den Prokop bestieg – und das ohne Flaschensauerstoff.

Vom Gipfel fuhr er mit Skiern ab. Nur einmal musste er die Bretter abschnallen, bei einem Abseilmanöver. „Ich steige nicht gerne zu Fuß ab und erst recht nicht auf Schnee“, antwortet Felix auf meine Frage, warum er sich für eine Skiabfahrt entschieden habe. „Ich habe immer gesagt: Wenn ich mich bei der Abfahrt nicht wohl fühle, trage ich die Ski gerne wieder runter. Es würde mich aber sehr ärgern, ohne Ski oben zu stehen und festzustellen, dass es möglich gewesen wäre.“

Kondition ausgespielt

Während der Skiabfahrt

Eigentlich kommt Prokop aus der Leichtathletik, als Mittel- und Langstreckenläufer bestreitet er Wettkämpfe. Seit 2014 sammelte der promovierte Jurist aus München Erfahrungen beim Höhenbergsteigen, im vergangenen Januar bestieg er den Aconcagua, den höchsten Berg Südamerikas. Für die rund 2600 Höhenmeter vom Basislager „Plaza des Mulas“ bis zum Gipfel auf 6962 Metern habe er vier Stunden und 54 Minuten gebraucht, berichtet Felix. „Da wurde mir endgültig klar, dass ich es probieren muss, an einem Achttausender meine Kondition auszuspielen.“

Preisschraube angezogen

Abendstimmung am Cho Oyu

Prokop war mit einem kleinen Team des nepalesischen Expeditionsveranstalters „Sherpa Khumbiyila Adventures“ am Cho Oyu. Mit bisher mehr als 3700 Gipfelerfolgen, die in der Chronik Himalayan Database verzeichnet sind, ist der Berg nach dem Mount Everest der am zweithäufigsten bestiegene Achttausender. Die Normalroute liegt in Tibet.

Für den Cho Oyu müssen Kunden kommerzieller Expeditionen allerdings inzwischen rund 25.000 Dollar (22.500 Euro) berappen, rund 10.000 Dollar mehr als etwa für den Manaslu in Nepal. „Waren früher am Cho Oyu pro Saison 20 oder mehr Expeditionen unterwegs, sind es jetzt vielleicht noch eine Handvoll“, sagte mir kürzlich Dominik Müller, Chef des deutschen Veranstalters Amical alpin. Grund seien unter anderem die seit diesem Jahr geltenden neuen Vorschriften für Achttausender-Expeditionen in Tibet. So muss pro Kunde ein Climbing Sherpa abgestellt werden.

Nicht einsam, aber auch nicht überfüllt

Auf rund 8100 Metern

Laut Felix Prokop hielten sich in diesem Herbst im vorgeschobenen Basislager auf 5650 Metern nur rund drei Dutzend Kunden kommerzieller Expeditionen auf. „Ich hatte dennoch nicht das Gefühl, dass man am Berg einsam ist“, sagt Felix. „Ich empfand die Anzahl an Leuten als recht angenehm. Es war genug los, damit sich eine gute Spur eintritt und dass man sich notfalls auch helfen könnte. Es herrschte aber kein Andrang wie am Manaslu. Es hat sich gut verteilt.“

Mit Willen und Leidenschaft

Sonnenuntergang in Lager 2

Und welche besonderen Eindrücke hat vom Cho Oyu mitgenommen? „Wenn du ohne Sauerstoff aufsteigen möchtest, bist du der Außenseiter. Der allgemeine Plan am Berg richtet sich nach denjenigen, die mit Sauerstoff aufsteigen“, antwortet Felix. „Zudem kommen aufgrund des Sauerstoffs Personen auf den Gipfel, denen man es so vielleicht nicht sofort zutrauen würde.“

Sein eigener Erfolg – ohne Atemmaske, mit Skiabfahrt – zeige, so der deutsche Bergsteiger, „was alles möglich ist, wenn man eine auf die persönlichen Fähigkeiten abgestimmte Taktik wählt und viel Willen und Leidenschaft mitbringt.“ Beeindruckt hat Felix Prokop zudem, „wie leistungsstark die Sherpas sind, obwohl sie sich keinen Trainings- und Ernährungsplänen unterwerfen“. Und das gilt nicht nur für Nirmal Purja und sein Team.

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Eine Antwort auf „Felix Prokop: Ohne Atemmaske auf den Cho Oyu, mit Skiern runter“

  1. Lieber Felix,
    aus den Niederungen des Wiesbadener Alltags grüße ich dich herzlich! Ich bin natürlich zutiefst beeindruckt.
    Tolle Abenteuer machst du da.
    Maria

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