Marc Batard nach der Annapurna: „Einfach nur skandalös“

Marc Batard an der Annapurna

In einem Jahr will Marc Batard zum dritten Mal ohne Flaschensauerstoff den Mount Everest besteigen. Dann wird der Franzose 70 Jahre alt sein. Sollte er erfolgreich sein, wäre er mit Abstand der älteste Bergsteiger ohne Atemmaske auf dem höchsten Berg der Erde.

Ende der 1980er Jahre war Marc eine große Nummer im Himalaya. Innerhalb von knapp zehn Monaten bestieg der „Sprinter“, wie er wegen seines hohen Tempos genannt wurde, vier Achttausender, allesamt ohne Flaschensauerstoff. 1988 und 1990 stand er auf dem Gipfel des Mount Everest.

Bereits im kommenden Herbst will Batard mit seinen Kletterpartnern Pasang Nuru Sherpa und Sajid Ali Sadpara, die ihn auch 2022 begleiten sollen, im unteren Bereich des Bergs eine Alternativroute auskundschaften, um den gefährlichen Khumbu-Eisbruch zu umgehen. Als Vorbereitung auf den Everest versuchte Batard in diesem Frühjahr, die 8091 Meter hohen Annapurna I im Westen Nepals zu besteigen – vergeblich.

Marc, du bist an der Annapurna auf etwa 6000 Metern umgekehrt. Warum?

Marc Batard und Pasang Nuru Sherpa
Marc Batard (l.) und Pasang Nuru Sherpa (r.)

Ich habe meine Besteigung mit Pasang Nuru Sherpa abgebrochen, weil wir durch ein sehr gefährliches Couloir klettern mussten, was so nicht geplant war. In diesem Couloir hat es bereits tödliche Unfälle gegeben. Die Expeditionsteams, die dort in diesem Jahr durchstiegen, hatten großes Glück! Mein Kameramann Bertrand Delapierre und der junge französische Bergführer Yorick Vion sahen, wie ein tischgroßer Eisblock nur wenige Meter von ihnen und einem Sherpa entfernt vorbeifiel.

Wie hast du die kommerziellen Teams am Berg erlebt?

Die Kommerzialisierung der Berge ist zu weit fortgeschritten, besonders an gewissen Achttausendern. Es hat schon viele Katastrophen gegeben, und es wird leider noch schlimmer werden.

Beim letztlich erfolgreichen Gipfelversuch der kommerziellen Teams wurden Hubschrauber eingesetzt, um mehr Seile und Flaschensauerstoff ins Lager 4 zu fliegen. Was hältst du davon?

Das ist einfach nur skandalös.

Ist die Annapurna aus deiner Sicht inzwischen auch ein kommerzialisierter Berg?

Menschenschlange an der Annapurna
Bergsteigerschlange an der Annapurna

Ja, die Annapurna über die Nordflanke ist sehr attraktiv für Agenturen geworden. Sie wollen den lukrativen Markt der vielen Kunden abschöpfen, die um jeden Preis einen Achttausender machen wollen.

Was bedeuten deine Erfahrungen an der Annapurna für dein Everest-Projekt 2022, bei dem du auf deutlich mehr kommerzielle Teams treffen wirst?

Ich glaube, der Everest ist der begehrteste aller Berge. Aufgrund meiner Erfahrung an der Annapurna werde ich versuchen, die Medien zu motivieren, auf die Gefahren dieses Wettlaufs aufmerksam zu machen, der viele Nepalesen und insbesondere Sherpas in Gefahr bringt.

P.S.: Der Spanier Kilian Jornet hat heute bestätigt, dass er in diesem Mai gemeinsam mit dem deutschen Bergsteiger David Göttler ohne Flaschensauerstoff den Mount Everest besteigen will. „Als mich David Göttler im vergangenen Jahr anschrieb, brauchten wir nicht viel Text, um eine gemeinsame Besteigung zu planen“, schreibt Kilian auf Instagram. „Eine einfache Idee und ein hohes Risiko zu scheitern – das beschreibt perfekt, was wir in den nächsten Wochen in der Khumbu-Region vorhaben.“ Zuvor hatten spanische Medien berichtet, dass Jornet die „echte“ Überschreitung des Mount Everest plane: über den Westgrat auf den Gipfel, hinunter zum Südsattel und von dort aus auf den Lhotse.