Ngima Nuru Sherpa: Bei der Arbeit auf die Everest-Rekordliste gelangt

Ngima Nuru Sherpa (im HIntergrund rechts der Everest)

„Es ist nicht mein Ziel, Rekorde zu jagen“, sagt Ngima Nuru Sherpa. „Der Mount Everest ist mein Job.“ In diesem Frühjahr hat der 37-Jährige aus dem Dorf Tesho nahe Namche Bazaar, dem Hauptort des Khumbu-Gebiets, den Gipfel des Everest erreicht: „Ich bin bis jetzt der Jüngste, der zum 22. Mal oben war.“

Am 23. Mai stand Ngima Nuru am höchsten Punkt auf 8850 Metern, nachdem er über den Nordostgrat aufgestiegen war. „In diesem Jahr lag unterhalb des vorgeschobenen Basislagers mehr Schnee als 2018, dafür weniger Schnee oberhalb von 7900 Metern“, schreibt mir der Sherpa. Die ganze Zeit über sei es auf der tibetischen Nordseite sehr windig gewesen. „Am Nordsattel wurden viele Zelte beschädigt, der Wind fegte einiges an Ausrüstung vom Berg.“

Seit 2001 fast durchgehend Gipfelerfolge

Auf dem Gipfel (am 23. Mai)

Ngima Nuru arbeitete in der vergangenen Saison als Sirdar, als Chef der Climbing Sherpas, für eine Expedition des nepalesischen Veranstalters „Arun Teks & Expeditions“. Hinter ihm liegt eine „klassische“ Sherpa-Karriere. Zunächst arbeitete Ngima Nuru als Begleiter und Küchenhelfer bei Trekkinggruppen. 1999 bestieg er den Sechstausender Island Peak, 2001 erstmals den Everest, auch damals über die tibetische Nordseite des Bergs. Seitdem erreichte er nach eigenen Angaben bis auf 2015 jedes Jahr den Gipfel (in einigen Jahren auch zweimal), sowohl über die Nord- als auch die Südseite – insgesamt, so Ngima Nuru, 22-mal, zunächst als Climbing Sherpa, seit 2006 als Sirdar. In der Bergsteiger-Chronik Himalayan Database sind, die Besteigung im vergangenen Mai schon mit eingerechnet, bisher „nur“ 19 seiner Gipfelerfolge verzeichnet. Er werde sich darum kümmern, dass auch die anderen drei Besteigungen in die Chronik aufgenommen würden, antwortet mir Ngima Nuru auf meine Nachfrage.

Wie Mutter und Vater

Glückwunsch-Torte nach der Heimkehr

Mit 22 Aufstiegen läge er in der „ewigen“ Everest-Rangliste auf Platz zwei, hinter Kami Rita Sherpa, der in der zurückliegenden Saison seine Gipfelerfolge Nummer 23 und 24 feierte, und vor Phurba Tashi Sherpa und dem legendären Apa Sherpa, die jeweils 21-mal auf dem Dach der Welt standen und nicht mehr auf den Everest steigen. Möglicherweise wird Ngima Nuru eines Tages sogar an die Spitze der Rekordliste rücken, da er gut elf Jahre jünger als Kami Rita ist.

„Für mich ist der Mount Everest wie meine Mutter und mein Vater. Es ist die Göttin (Chomo) Miya Lang Sangma, die mich dorthin gebracht habe, wo ich jetzt bin“, schreibt Ngima Nuru, der verheiratet ist und zwei Söhne hat. Er sei auf den Everest angewiesen, schließlich verdiene er dort und auf anderen hohen Bergen des Himalaya den Lebensunterhalt für seine Familie. Zweimal – 2003 und 2009 – bestieg der Sherpa auch den Achttausender Cho Oyu in Tibet.

Sein Traum: Die Seven Summits

Ich frage ihn, ob die ausländischen Kunden kommerzieller Expeditionen am Everest aus seiner Sicht erfahren genug seien. „Die meisten sind es“, antwortet Ngima Nuru. „Die Unerfahrenen sollten, um sicher und erfolgreich bergzusteigen, zunächst einmal trainieren und einen Sechs-, Sieben- oder anderen Achttausender besteigen, bevor sie sich am Everest versuchen.“ Einen eigenen sportlichen Traum hat auch Ngima Nuru Sherpa: „Ich würde gerne die Seven Summits (die höchsten Berge aller Kontinente) besteigen. Aber das geht nur, wenn ich Sponsoren finde – und wenn ich vom Glück begünstigt bin.“