Die Namen der Verdächtigen sind neu, die Masche ist es nicht. Bergführer überreden ihre Kunden, sich wegen einer vermeintlichen Notsituation mit dem Rettungshubschrauber ausfliegen zu lassen. Die „Patienten“ werden bestimmten Krankenhäusern zugestellt.
Den Schaden haben die Versicherungen. Die angeblichen Rettungsflüge werden teilweise mehrfach abgerechnet, die Ärzte stellen überhöhte Rechnungen. Und die schwarzen Schafe verteilen untereinander „Provisionen“.
Das Zentrale Ermittlungsbüro (CIB) der nepalesischen Polizei hat am vergangenen Wochenende einen 1243 Seiten langen Untersuchungsbericht vorgestellt. Darin empfehlen die Ermittler der Staatsanwaltschaft, 33 Personen wegen Betrugs im Zusammenhang von Hubschrauber-Rettungsflügen anzuklagen. Zehn von ihnen befinden sich bereits in Haft. Im Januar hatte es die ersten Festnahmen gegeben.
Millionenschaden für Versicherungen
In dem Bericht werden 16 Trekkingfirmen, fünf Rettungsunternehmen, drei Krankenhäuser und vier Hubschrauberunternehmen genannt, die an den kriminellen Machenschaften beteiligt gewesen sein sollen. Den entstandenen finanziellen Schaden beziffern die Ermittler insgesamt auf umgerechnet fast zehn Millionen US-Dollar.

Bereits 2018 war in Nepal ein Betrugsskandal mit angeblichen Hubschrauber-Rettungsflügen aufgedeckt worden. Die damalige Regierung hatte mit neuen Richtlinien reagiert, deren Wirksamkeit jedoch schon damals von Experten bezweifelt worden war.
Folini: „Mehr als die Hälfte der Rettungsflüge nicht zwingend nötig“
Trotz der neuen Betrugsfälle habe sich die Situation insgesamt verbessert, schreibt mir Maurizio Folini. Der italienische Hubschrauberpilot fliegt seit 2011 regelmäßig Einsätze an den höchsten Bergen der Welt, 2013 gelang ihm am Mount Everest die bis dato höchste Hubschrauberrettung aller Zeiten, als er einen nepalesischen Bergsteiger aus 7800 Metern am langen Seil talwärts beförderte.

„In der Zwischenzeit haben sich spezialisierte Versicherungsgesellschaften (wie beispielsweise Global Rescue) organisiert. Diese kooperieren ausschließlich mit ausgewählten Helikopterunternehmen und Krankenhäusern“, erklärt Maurizo. „Zudem verfügen sie während der Saison über eigenes Personal, beispielsweise in Lukla und Kathmandu, um eine umfassende und seriöse Betreuung ihrer versicherten Patienten sicherzustellen und zu bezahlen.“
Dennoch sei er der Ansicht, „dass mehr als die Hälfte der Helikopterrettungen nicht zwingend erforderlich ist“, schreibt mir der 60-Jährige. „Bedauerlicherweise sind es nahezu immer dieselben Unternehmen (Expeditions- und Trekkingagenturen sowie Helikopterfirmen), die solche Praktiken anwenden.“

