Wohin mit der schmutzigen K2-Wäsche?

Wolken am K 2

Dass Bergsteiger von einer Expedition mit dreckiger Wäsche zurückkehren, ist ganz normal. Schließlich gilt es, mit möglichst wenig Gewicht unterwegs zu sein. Und deshalb gehört nach der Reise der strenge Geruch zu lang getragener Kleidung in der heimatlichen Waschküche einfach dazu. Aber ist es wirklich nötig, nach Expeditionen auch im übertragenen Sinne schmutzige Wäsche zu waschen? Seit Tagen liefern sich die Mitglieder der beiden jüngst gescheiterten K2-Winterexpeditionen einen medialen Schlagabtausch. Mit dem inzwischen fast schon üblichen Echo in den sozialen Netzwerken – von Leuten, die nicht dabei waren, aber meinen, ihren Senf dazu abgeben zu müssen.

Wettbewerb statt Kooperation

Alex Txikon im Aufstieg am K 2

Die Vorwürfe gehen hin und her. So beschuldigte der Spanier Alex Txikon das Team des kasachischen Expeditionsleiters Vassiliy Pivtsov in einem Interview mit „explorersweb.com“ unter anderem, jede Menge Müll am Berg zurückgelassen zu haben. Die Bergsteiger aus Russland, Kasachstan und Kirgisien, so Txikon, hätten den guten Ruf der früheren Sowjet-Bergsteiger-Schule diskreditiert. „Alles Lüge“, konterte Pivtsov in der „Gazetta dello Sport“. Bei dem angeblichen Müll handele es sich um Gas- und Lebensmittelvorräte, die man für Bergsteiger-Kollegen im kommenden Sommer dort deponiert habe. Und überhaupt, so Pivtsov, habe sich das spanische Team – mit Ausnahme des Expeditionsarztes – überaus arrogant verhalten. Es hagelte weitere Vorwürfe hier wie dort, auf die ich gar nicht im Detail eingehen will. Ganz unabhängig davon, wer nun Recht hat, wird eines ganz deutlich: Am K 2 standen zwei Teams im Wettbewerb gegeneinander, von Kooperation keine Spur.

Seifenoper am Nanga Parbat

Erfolgsteam: Txikon, Lunger, Moro und Ali „Sadpara“(v.l.)

Bei mir werden Erinnerungen wach an den Winter 2016 am Nanga Parbat. Damals gab es auch einen Riesenstreit, der zu einer Seifenoper ausartete – allerdings bereits vor Ort im Basislager: Der Spanier Txikon und der Italiener Daniele Nardi entzweiten sich und trugen ihre Differenzen auch öffentlich aus, der Italiener Simone Moro und die Südtirolerin Tamara Lunger gerieten zwischen die Fronten. Nardi verließ schließlich das Basislager vorzeitig. Txikon, Moro und dem Pakistaner Muhammad Ali „Sadpara“ gelang später die erste Winterbesteigung dieses Achttausenders, an der sich zuvor mehr als 30 Expeditionen die Zähne ausgebissen hatten. Lunger musste 70 Meter unter dem Gipfel umkehren.

Dass sich Txikon trotz seiner früheren Differenzen mit Nardi im vergangenen März am Nanga Parbat an der Suche nach dem Italiener und dessen britischem Seilpartner Tom Ballard beteiligte, ehrt den Spanier.

Enger Markt

Am Nanga Parbat 2016 wie jetzt am K 2, dem einzigen im Winter noch unbestiegenen Achttausender, ging es um sehr viel Prestige – und damit am Ende auch um Geld. Denn die Zahl der „letzten großen Probleme des Alpinismus“, die sich auch der breiten Öffentlichkeit erschließen und somit gut vermarkten lassen, ist überschaubar. Und so verwundert es nicht, dass Teams, die dasselbe Ziel haben, miteinander in Konkurrenz geraten. Auch nicht, dass sie sich am Berg oder hinterher streiten. Und dass jeder Recht haben will. Aber muss alle Welt davon erfahren? Ich könnte gut damit leben, wenn die dreckige Wäsche in der Waschküche der Beteiligten bliebe.

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