Zwei Expeditionsanbieter sagen für Sommersaison im Karakorum ab

Träger im Karakorum (2004)

Die dramatische Corona-Entwicklung in Nepal hat auch erste Auswirkungen auf die Sommer-Klettersaison in Pakistan. Mit Furtenbach Adventures und Kobler & Partner sagten zwei europäische Anbieter ihre eigentlich für den Sommer geplanten Achttausender-Expeditionen im Karakorum ab – nicht zuletzt wegen der jüngsten Ereignisse am Mount Everest.

„Nicht denselben Fehler wiederholen“

Broad Peak (mit Schatten des K 2)

Lukas Furtenbach, Chef des österreichischen Expeditionsanbieters Furtenbach Adventures, verwies in einem Video-Interview mit US-Blogger Alan Arnette darauf, dass sein Sherpa-Team aus Nepal derzeit nicht nach Pakistan reisen dürfe. Außerdem gebe es in Nepal ein Ausfuhrverbot für Flaschensauerstoff.

Vor allem aber habe ihn die Zuspitzung der Corona-Lage in Südasien bewogen, die geplante Expedition zum K2 und Broad Peak abzublasen: „Pakistan entwickelt sich gerade zum nächsten Hotspot für Corona nach Indien und Nepal“, sagte Lukas in dem Interview. „Die Entwicklung ist klar, und wir wollen nicht denselben Fehler machen wie hier am Mount Everest.“

Furtenbach hatte – wie berichtet – seine Everest-Expedition unmittelbar vor dem geplanten Gipfelversuch wegen vieler neuer COVID-19-Fälle am höchsten Berg der Erde abgebrochen. „Wir reden nicht über 10, 20 oder 50, sondern über 150 (Fälle)“, sagte Lukas gegenüber Alan Arnette. „Wir reden auch über Bergsteiger, die nach der ersten Gipfelwelle mit COVID von Lager 2 ausgeflogen wurden.“

„Risiko nicht verantwortbar“

Gasherbrum-Gruppe
Die Gasherbrum-Gruppe im Karakorum

Der Schweizer Anbieter Kobler & Partner hat seine für diesen Sommer geplante Expedition zum Gasherbrum II abgesagt und weist ebenfalls darauf hin, dass es ungewiss sei, ob nepalesische Sherpas überhaupt nach Pakistan reisen dürften. Auch die Ereignisse in diesem Frühjahr am Mount Everest hätten zu der Entscheidung geführt.

„Die Situation im Everest-Basislager in Nepal hat uns aufgezeigt, dass es noch zu früh ist für große Expeditionen“, schrieb der Veranstalter an seine Kunden. „Sollte ein solcher Ausbruch in Pakistan passieren, dann sind die Risiken viel höher als in Nepal. Ein Hubschrauber-Flug nach Skardu kostet rund 25.000 US-Dollar (zum Vergleich: in Nepal kostet ein Flug ca. 3000 USD). Die Rettungskette in Pakistan ist nicht vergleichbar mit den Möglichkeiten in Nepal. Wir können das Risiko nicht verantworten.“

Nepal aktuell auf Einreiseverbotsliste

Die Regierung Pakistans hatte gestern verkündet, das Land werde ab 24. Mai wieder für Touristen geöffnet – allerdings unter strengen COVID-Sicherheitsvorkehrungen. In den Richtlinien, die mir vorliegen, heißt es unter anderem: „Bergsteiger, Trekker und Hochgebirgsträger aus Nepal oder auch Bergsteiger/Einzelpersonen, die sich in den vergangenen drei Wochen  in Nepal aufgehalten haben, sind nicht zugelassen, bevor Nepal aus der Liste der Kategorie-C-Länder genommen wird.“ Dort sind Corona-Hochrisiko-Länder gelistet. Außerdem werden von allen Expeditionsmitgliedern, die nach Pakistan kommen, COVID-Impfzertifikate verlangt.

Amical will GII-Expedition durchziehen

Gasherbrum II

Im Gegensatz zu Furtenbach und Kobler will der deutsche Expeditionsveranstalter Amical alpin an seiner geplanten Expedition zum Gasherbrum II festhalten. „Wir arbeiten seit Jahren mit den lokalen Bergführern zusammen und haben damit kein Problem wie andere Veranstalter, die immer mehr auf Nepalis gesetzt hatten“, schreibt mir Amical-Chef Dominik Müller. „Zusätzlich gibt es ein umfangreiches Hygiene-Konzept. Unser gesamtes Personal ist bis dahin geimpft und wird in regelmäßigen Abständen getestet.“

Nach Angaben der pakistanischen Regierung wurden im Land seit Ausbruch der Pandemie vor mehr als einem Jahr rund 890.000 Infektionen gezählt. Fast 20.000 Menschen starben an COVID-19. Wie in Nepal wird auch in Pakistan eine hohe Dunkelziffer vermutet. Zuletzt stiegen die Infektionszahlen deutlich an. Das deutsche Außenministerium stuft das Land nach wie vor als Risikogebiet ein und warnt vor „nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Pakistan“.

Update 21. Mai: Auch der Veranstalter Imagine Nepal hat seine für den Sommer geplante K2-Expedition mit Blick auf das Einreiseverbot von Nepalesen abgesagt. „Das ist auch eine gute Gelegenheit für unsere pakistanischen Bergsteiger-Brüder zu zeigen, wer sie sind und was sie am Berg leisten können“, schreibt Mingma Gyalje Sherpa, Chef der Agentur, auf Facebook.

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