Billi Bierling nach ihrem Broad-Peak-Erfolg: „Mein längster Gipfeltag“

Billi Bierling auf dem Gipfel des Broad Peak

Gegenüber am 8611 Meter hohen K 2 laufen gerade die ersten Gipfelversuche der Saison. Am Broad Peak wird dagegen schon im Basislager gefeiert. Am Sonntag stand neben anderen auch das Team des Schweizer Expeditionsveranstalters „Kobler und Partner“ am Gipfel auf 8051 Metern, mit dabei der Schweizer Dani Arnold. Für den 36-Jährigen, der bisher vor allem mit seinen Speedrekorden an den klassischen Nordwänden der Alpen für Furore gesorgt hatte, war es sein erster Achttausender. Er verzichtete auf Flaschensauerstoff – ebenso wie Billi Bierling. Die 52 Jahre alte deutsche Bergsteigerin, Journalistin und Himalaya-Chronistin bestieg damit – wie berichtet – bereits ihren sechsten Achttausender, den dritten davon ohne Atemmaske. Nach der Rückkehr ins Basislager hat sie meine Fragen beantwortet.

Billi, du warst bei deinem Gipfelvorstoß 25 Stunden unterwegs. Das klingt nach einer Tortur. Wie anstrengend war es? 

Broad Peak (mit Schatten des K 2)

Ich denke, dass es mein längster Gipfeltag war. Wir alle wussten, dass es ein langer Weg werden würde, denn am 13. Juli waren einer unserer Guides (Maxim Cherkassov aus Russland), Karma Sherpa, Nazir Sadpara aus Pakistan und ein Kunde (Mauricio Fernandez aus Mexiko) zum Fixieren am Gipfel. Da das Team sehr lange gebraucht hatte, entschieden wir uns, das Lager 3, das lediglich auf 6950 Meter liegt, um 19 Uhr am 13. Juli zu verlassen. So früh war ich noch nie zu einem Achttausender-Gipfel gestartet. Das Angenehme daran war, dass man nicht mitten in der Nacht in der Kälte aus dem Schlafsack musste, jedoch weiß man, dass man gerade ohne Flaschenstoff sehr lange der Kälte ausgesetzt ist.

Die Spur war sehr gut, und es waren ca. 30 bis 40 Leute auf dem Weg. Die Route zum Sattel war sehr lange, aber als ich diesen Punkt erreichte, war mir klar, dass mich der Berg dieses Mal auf seinen Gipfel lassen würde. Ich hatte mich die ganze Zeit super gefühlt und trotz der Anstrengung, hatte ich doch Zeit, den Aufstieg zu genießen. Das Team von Kobler & Partner war echt klasse, und wir hatten eine gute Zeit miteinander. Ich kam um ca. 11.30 Uhr am Vorgipfel an, und mir war natürlich klar, dass ich zum Hauptgipfel wollte. Es war überraschend für mich, dass es absolut keine große Mühe war und der Ab- und wieder Aufstieg nicht so herausfordernd war, wie ich erwartet hatte.

Wie bei jedem Gipfel war der Abstieg natürlich auch sehr anstrengend, und so kam ich erst um 21 Uhr wieder im Lager 3 an. Ich finde es immer wieder interessant, zu was der menschliche Körper fähig ist. Ich habe in 48 Stunden keinen Bissen gegessen und nur ca. einen Liter Wasser getrunken. Aber der Körper hat das wunderbar gemeistert, und mir geht es sehr gut – auch wenn ich jetzt ein wenig erschöpft bin. Ich bin so undenklich dankbar, dass ich nach meinem ersten Versuch 2015 auf dem Gipfel des zwölfthöchsten Berges stehen durfte. 🙂

Hast du die Zeit am Gipfel genießen können? 

Ja, und wie. Ich bin mit Joni Salzmann, einem Schweizer, vom Vor- auf den Hauptgipfel rüber, und wir waren ca. eine halbe Stunde am Gipfel. Es war leider ein wenig bewölkt, aber es war so warm, dass wir einfach die Aussicht genießen konnten und nicht frieren mussten. 

Es war nach dem Manaslu und dem Cho Oyu dein dritter Achttausender, den du ohne Flaschensauerstoff bestiegen hast. Bei den anderen drei Erfolgen warst du mit Atemmaske unterwegs. Was gefällt dir besser und warum?

Billi Bierling

Nachdem ich ja den Lhotse, Makalu und Mount Everest mit Maske bestiegen hatte und den Gipfel des Manaslu beim zweiten Mal ohne Zusatzsauerstoff erreicht hatte, habe ich einen guten Vergleich. Natürlich kann man nicht abstreiten, dass ein Aufstieg mit Flaschensauerstoff leichter ist, jedoch finde ich persönlich eine Besteigung ohne Maske viel angenehmer. Irgendwie hat man das Gefühl, dass man mit den Elementen und dem Berg mehr verbunden ist. Und wie du ja weißt, rede ich sehr gerne und kenne natürlich aufgrund meiner Arbeit bei der Himalayan Database viele Leute, die an den hohen Bergen unterwegs sind … und ohne Maske ist das Begrüßen und Reden mit den Leuten viel einfacher. 🙂 Nein, Spaß beiseite – für mich stand fest, dass ich den Broad Peak entweder ohne Flaschensauerstoff besteige oder sonst gar nicht. Und wie gesagt bin ich unendlich dankbar, dass ich es geschafft habe. Ich freue mich so sehr darüber, da ich wirklich nicht glaubte, dass ich genügend Kräfte motivieren kann, um diesen langen Gipfelgang zu bewältigen. 

Der Broad Peak war bereits dein sechster Achttausender-Erfolg. Wie weit geht diese Reise noch? 

Das ist witzig, dass du das fragst. Ich denke, dass ich die Achttausender wohl aufgegeben hätte, wenn mich der Broad Peak nicht auf seinen Gipfel gelassen hätte. Aber jetzt, wo ich sechs Achttausender bestiegen habe, kann ich vielleicht doch noch meinen Traum erfüllen: Ich würde gerne auf den Gipfeln von sieben 8000ern gestanden haben, denn das ist die Hälfte der 14 Achttausender. Ich sage immer: „Ich bin nur halb so gut und halb so reich wie viele andere, die alle 14 Achttausender besteigen können… und deswegen würde ich mich riesig freuen, wenn ich es auf sieben schaffen würde.“ Aber jetzt muss ich erst einmal heim zu meiner Familie in Garmisch. Und wenn ich es noch auf einen weiteren probiere, dann wird das gewiss nicht vor 2020 sein. Aber wenn ich es noch einmal anpacke, dann wird es auch einer der kleineren Achttausender, da ich ja keinen Flaschensauerstoff benutzen will.

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