Carlos Soria besteigt mit 86 Jahren den Manaslu – Tyler Andrews bricht nächsten Everest-Speedversuch ab

Carlos Soria
Carlos Soria

Dieser Berg-Methusalem ist einfach unglaublich. Carlos Soria hat heute den Gipfel des 8163 Meter hohen Manaslu im Westen Nepals erreicht – mit sage und schreibe 86 Jahren.

Damit wird der Spanier nun in den Rekordlisten als der älteste Mensch geführt, der jemals auf einem Achttausender stand. Er löst den Japaner Yuichiro Miura ab, der 2013 mit 80 Jahren den Mount Everest bestiegen hatte – zum dritten Mal in seinem Leben.

Sechsmal in 52 Jahren am Manaslu

Soria war bereits zum sechsten Mal am Manaslu. 1973 kam er nach Angaben der Bergsteiger-Chronik Himalayan Database bis auf eine Höhe von rund 6000 Metern. 1975 – sprich vor 50 Jahren – gehörte Carlos auch zu jener Expedition, bei der mit Gerardo Blasquez und Jeronimo Lopez erstmals zwei Spanier den achthöchsten Berg der Erde bestiegen. Er selbst erreichte eine Höhe von rund 7000 Metern – ebenso wie bei seinem nächsten Manaslu-Versuch 1999 .

Manaslu
Vom Manaslu wurden in diesem Herbst bereits rund 350 Besteigungen vermeldet

Im Jahr 2010 war Soria – damals schon 71 Jahre alt – gleich zweimal an diesem Achttausender: Im Frühjahr kehrte er auf 7500 Metern um, im Herbst erreichte er ohne Flaschensauerstoff den Gipfel oder besser gesagt, das was alle dafür hielten. In Wahrheit war es – wie sich später herausstellte – nicht die allerhöchste Erhebung des Gipfelgrats. Eben diese, den sogenannten True Summit, erreichte Soria erst jetzt, 15 Jahre später: mit Atemmaske und Sherpa-Unterstützung.

Soria hält Altersrekorde an fünf Achttausendern

Carlos hat auf zwölf der 14 höchsten Gipfel der Welt gestanden. Seinen ersten Achttausender-Erfolg, am Nanga Parbat in Pakistan, feierte er erst mit 51 Jahren. Danach folgten (rechnet man den „irrtümlichen“ am Manaslu mit) zwölf weitere Achttausender-Erfolge, elf davon mit über 60.

Der ehemalige Polsterer, der in der Kleinstadt Moralzarzal nahe Madrid lebt, hält die Altersrekorde am Makalu (69, damals stieg er ohne Flaschensauerstoff auf), Gasherbrum I (70, ebenfalls ohne Atemmaske), Kangchendzönga (75), an der Annapurna (77) und natürlich am Manaslu (86).

Klettert mit künstlichem Kniegelenk

In seiner Sammlung fehlen Soria nur noch die Shishapangma in Tibet – dort erreichte er 2005 nicht den Hauptgipfel (8027 Meter), sondern „nur“ den etwas niedrigeren Mittelgipfel (8008 Meter) – und der Dhaulagiri. An dem 8167 Meter hohen Berg unweit des Manaslu hat sich Carlos bereits 14-mal vergeblich versucht.

Carlos Soria am Dhaulagiri
Carlos Soria am Dhaulagiri (2021)

2023 verletzte er sich bei einem Gipfelversuch auf 7700 Metern am Schienbein und musste mit einem Rettungshubschrauber ausgeflogen werden. Doch auch das bedeutete nicht das Ende seiner langen Achttausender-Karriere – ebenso wenig wie die Tatsache, dass ihm bereits Ende 2018 ein künstliches Kniegelenk eingesetzt wurde. Carlos Soria lässt sich nicht so leicht ausbremsen.

Andrews kapituliert vor zu tiefem Schnee im Everest-Gipfelbereich

Ausgebremst wurde heute erneut der US-Amerikaner Tyler Andrews: bei seinem fünften Speedversuch am Mount Everest in diesem Jahr. Am Südsattel auf rund 7900 Metern drehte der 35 Jahre alte Langstreckenläufer um. „Leider ist der Schnee oberhalb von Lager 4 zu tief, um den Gipfel in angemessener Zeit zu erreichen“, ließ Andrews wissen.

Sonnenaufgang am Mount Everest
Sonnenaufgang am Mount Everest (im Herbst 2019)

Inzwischen erreichte er wohlbehalten Lager 2 auf 6400 Metern. Am morgigen Samstag will er ins Basislager zurückkehren. Es war der zweite gescheiterte Versuch in diesem Herbst, im Frühjahr war Tyler dreimal vorzeitig umgekehrt.

Andrews will den Everest ohne Flaschensauerstoff besteigen – und das schneller als irgendwer jemals zuvor. Die bisherige Marke für einen Gipfelerfolg ohne Atemmaske von der nepalesischen Südseite aus steht bei 20 Stunden und 24 Minuten, beansprucht 1998 von dem nepalesischen Bergsteiger Kaji Sherpa.

Fixseilteam erreicht Gipfel des Dhaulagiri

Vom Dhaulagiri wird derweil der erste Gipfelerfolg der Saison vermeldet. Nach Angaben von Chhang Dawa Sherpa, Vorstand des nepalesischen Veranstalters Seven Summit Treks erreichte das vierköpfige Fixseil-Team – bestehend aus Tashi Sherpa, Lakpa Temba Sherpa, Phurba Kusang Sherpa und Pasang Nurbu Sherpa – den höchsten Punkt auf 8167 Metern.

2 Antworten auf „Carlos Soria besteigt mit 86 Jahren den Manaslu – Tyler Andrews bricht nächsten Everest-Speedversuch ab“

  1. Herrlich! Carlos Soria, 86 Jahre alt und noch nicht mal am Manaslu gestolpert – der Kerl hats wirklich nicht leicht mit seinen künstlichen Gelenken und dem fehlenden Gipfel des Dhaulagiri. Tyler Andrews versucht dann wieder, Everest ohne Atemmaske und ohne Erfolg zum Speedrekord zu krachen – der hats ja wirklich nicht leicht mit dem tiefen Schnee. Wirklich begeisternde Geschichten von Leuten, die es wissen wollen, auch wenn sie schon bald 80 sind oder sich das Knie ersetzen müssen. Ein Lächeln auf das Gesicht, wenn man das liest!metal injection molding

  2. Eine unglaubliche Leistung! Hut ab vor so viel Hingabe und Leidenschaft. 86 Jahre!!! In Worten: Sechsundachtzig! Wahnsinn!

Die Kommentare sind geschlossen.

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