Dreimal ist göttlich, sagt man. Im dritten Anlauf ist es Andrzej Bargiel gelungen, den Mount Everest ohne Flaschensauerstoff zu besteigen und vom Gipfel mit Skiern bis ins Basislager abzufahren. „Es ist einer der wichtigsten Meilensteine meiner Sportkarriere. Ohne Sauerstoff den Everest hinunterzufahren, war ein Traum, der seit Jahren in mir heranreifte“, sagte der Pole.
Seinen ersten Versuch im Herbst 2019 hatte er abgebrochen, weil ein rund 50 Meter hoher und 30 Meter breiter Monster-Serac über dem Khumbu-Eisbruch hing und abzubrechen drohte. Sein zweiter Anlauf endete im Herbst 2022 am Südsattel auf knapp 8000 Metern, wo der Wind so heftig wehte, dass sich nicht mal ein Zelt aufbauen ließ.
„Ich wusste, dass die schwierigen Bedingungen im Herbst und die Planung der Abfahrtsroute durch den Khumbu-Gletscher die größten Herausforderungen sein würden, denen ich mich jemals stellen musste“, bilanzierte Bargiel nach seinem Coup.
Es war das erste Mal, dass ein Bergsteiger ohne Flaschensauerstoff über die nepalesische Südseite zum Gipfel aufstieg und hinterher, ebenfalls ohne Atemmaske, mit Skiern bis in Basislager abfuhr.
In 16 Stunden vom Südsattel bis zum Gipfel
Laut Bargiels Sponsor Red Bull erreichte der 37 Jahre alte Skibergsteiger am Montag (22. September) um 15.17 Uhr Ortszeit den Gipfel des höchsten Bergs der Erde auf 8849 Metern. Auf den mitgelieferten Bildern und Videos ist zu sehen, dass mit Andrzej ein Begleiter am Gipfel stand, der eine Atemmaske trug.

Bargiel habe für seinen Aufstieg vom Südsattel auf rund 7900 Metern bis zum höchsten Punkt fast 16 Stunden gebraucht, hieß es. Nach wenigen Minuten am Gipfel habe er seine Skiabfahrt begonnen. Gegen 20.30 Uhr – also gut fünf Stunden nach dem Start seiner Abfahrt – sei Bargiel in Lager 2 auf rund 6400 Metern eingetroffen.
Skiabfahrt wegen Dunkelheit unterbrochen
Da es zu dieser Zeit bereits dunkel und eine sichere Weiterfahrt unmöglich gewesen sei, habe er dort übernachtet und habe seine Abfahrt am Dienstagmorgen um 7 Uhr fortgesetzt. Um 8.45 Uhr Ortszeit sei Andrzej schließlich an der Schneegrenze oberhalb des Basislagers eingetroffen, hieß es in der Pressemitteilung von Red Bull.
Nach Angaben der Zeitung Himalayan Times wurde Bargiels Projekt von insgesamt 16 nepalesischen Bergsteigern unterstützt.

Zuvor war lediglich dem Slowenen Davo Karnicar – er starb 2019 bei einem Forstunfall in seiner Heimat – eine Abfahrt vom Gipfel des Everest über die Südseite des Bergs bis ins Basislager gelungen. Für den Aufstieg im Jahr 2000 hatte er jedoch ab dem Südsattel Flaschensauerstoff genutzt, ebenso für das erste Stück auf Skiern bis zum Südgipfel. Karnicar hatte vier Stunden und 40 Minuten für die Abfahrt ins Basislager benötigt.
Sieben Achttausender ohne Atemmaske mit Skiabfahrt
Bargiel ist der erste Skibergsteiger, der die beiden höchsten Berge der Welt ohne Atemmaske bestieg und vollständig mit Skiern abfuhr. 2018 hatte er dieses Kunststück auch am 8611 Meter hohen K2 in Pakistan geschafft.
Insgesamt hat Andrzej nun ohne Flaschensauerstoff auf sieben der 14 Achttausender gestanden – mit anschließender Skiabfahrt. Außer am Everest und K2 gelang ihm dies auch an der Shishapangma in Tibet (2013), am Manaslu in Nepal (2014) sowie in Pakistan am Broad Peak (2015), Gasherbrum I und II (beide 2023).
Update 11. November: Wenn ihr hier klickt, könnt ihr ein ausführlicheres Video von Bargiels Skiabfahrt vom Everest sehen.


16 Std. Todeszone ohne O2 mit Gepäck? Entweder der Typ ist eine richtig gute Maschine – mein Respect!!! oder es ist ein Red Bull PR Stunt 🙂
Also wenn das alles so stimmt eine beachtliche Leistung! Ein Aufstieg in der Nachmonsunsaison ist heutzutage aber allein schon erwähnenswert.
Ein paar Fragen stellen sich mir aber unweigerlich: Wie fährt man denn den Hillary Step mit Skiern ab? Eine Umfahrung wird es nicht so ohne weiteres geben, die hätten die Erstbegeher dann ja auch schon genommen wenn es rechts oder links davon viel einfacher geht.
Und zu Aufstieg ohne Zusatz-O2 würde mich auch interessieren ob Zusatz-O2 in irgend einer anderen Weise von Ihm verwendet wurde. Wurde in den Hochlagern ohne Verwendung von Zusatz-O2 geschlafen/geruht? Weil die Aussage Aufstieg ohne Zusatz-O2 stimmt ja irgendwo auch wenn er in den Hochlagernächten regelmäßig an der Flasche hängt.
Das seine 16-köpfige Mannschaft Ihm den Weg gebahnt hat liegt auf der Hand. Das ist aber bei allen Besteigungen ohne Zusatz-O2 in der Frühjahrssaison seit geraumer Zeit nichts anderes.
Mag seinem Werbepartner RedBull geschuldet sein aber die Verfilmung seiner K2-Befahrung lässt leider so manches Detail offen. In dem Film ist stets die Rede von Erstbefahrung und kein Wort findet sich dazu, dass er für die Abfahrt eine Linie wählte die u.a. auch schon Luis Stitzinger vor Ihm ab Lager IV (~8000m) abgefahren ist.
Den Hillary-Step in der früheren Form gibt es seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Wahrscheinlich beim Erdbeben 2015 stürzte der große Felsblock talwärts. Damit wurde die Stelle entschärft. Heute entstehen dort auch keine großen Staus mehr. Man kann die Stelle jetzt auch mit Skiern passieren. – Das Problem mit den Red-Bull-Videos ist nicht neu. Nach der kompletten Befahrung des K2 durch Bargiel wurde in dem damaligen Video auch mit keiner Silbe erwähnt, dass Stitzinger große Teile der Route bereits zuvor befahren hatte – worüber er sich mir gegenüber bitter beklagte (er wollte das aber nicht öffentlich machen).
Ein altes Problem : Hillary und Tensing haben am Everest ja auch nur die letzten 70 Hoehenmeter erstbegangen… Wer erinnert sich an die Erstbesteiger des Suedgipfels?
Und Kammalanders Everesttour in 24 Std aller-retour ohne Falschensauerstoff ist auch ein Meisterwerk! Zudem ist er den Grossteil des Berges und die Gipfelpyramide mit Ski abgefahren, aber er wird kaum noch erwaehnt…
Aber ein Milliardenkonzern wie Red Bull muss natuerlich Superlative produzieren… Schade, dass Bargiel dièsen Sponsor hat, aber man kann ihn verstehen: die Unternehmungen sind einfach teuer… Und ein grossartiger Skialpinist und Ausdauersportler ist er allemal: das hat er oft bewiesen. Die Faehigkeit, den Everest ohne Zusatz-02 in einer Sherpaspur zu bestiegen, duerfte er haben…