Erstmals über 1000 Everest-Besteigungen in einer Saison

Nepalesische Südseite des Everest
Nepalesische Südseite des Mount Everest

Es kehrt Ruhe ein am Mount Everest. Die Icefall Doctors bringen die Aluminiumleitern, mit denen sie auf der Route durch den Khumbu-Eisbruch große Spalten überspannt hatten, zurück in die Depots im Dorf Gorak Shep. Mitarbeitende des Sagarmatha Polution Control Committee sortieren den Müll im Basislager, der von dort aus talwärts gebracht werden soll.

So viele Permits und Besteigungen wie noch nie

Wieder einmal hat sich der Mount Everest als lukraktives Geschäftsmodell erwiesen. Die Kassen klingelten. Noch niemals zuvor verkaufte das nepalesische Tourismusministerium so viele Besteigungsgenehmigungen für den höchsten Berg der Erde: 495. Und das, obwohl der Preis im Frühjahr erstmals bei 15.000 statt vorher 11.000 Dollar pro Bergsteigerin oder Bergsteiger aus dem Ausland lag. Allein die Permits spülten mehr als sieben Millionen US-Dollar in die Staatskasse.

Da das Wetter in der zweiten Maihälfte stabiler war, als es einige Meteorologen vorhergesagt hatten, gab es so viele erfolgreiche Besteigungen des Everest wie noch nie zuvor – und das, obwohl die chinesisch-tibetischen Behörden den Berg auf der tibetischen Nordseite für ausländische Teams gesperrt hatten. Erstmals wurde die Marke von 1000 Gipfelerfolgen überschritten.

Mehr als 14.700 Everest-Besteigungen seit 1953

Khimlal Gautam, Koordinator der temporären Außenstelle der Tourismusabteilung im Everest-Basislager, sagte dem nepalesischen Internetportal Ekantipur, bis zu diesem Freitagmorgen (29. Mai) hätten in diesem Frühjahr 1008 Personen den höchsten Punkt der Erde erreicht. Wenige Tage zuvor hatte Gautam angesichts der vielen Menschen am Berg erklärt: „Diese Situation hat uns deutlich vor Augen geführt, dass wir das Bergsteigen am Everest aus einer neuen Perspektive betrachten müssen.“

Schlange Mitte Mai oberhalb von Lager 3

Gautam hatte 2011 und 2019 selbst den Everest bestiegen. Bei seinem zweiten Aufstieg war er der nepalesische Chefvermesser, als es darum ging, die exakte Höhe des Mount Everest zu bestimmen. Wissenschaftler aus China und Nepal hatten anschließend erklärt, der Berg sei 8848,86 Meter hoch.

Mit den Anstiegen der jetzt zu Ende gegangenen Frühjahrssaison stieg die Anzahl der Gipfelerfolge seit der Erstbesteigung durch den Neuseeländer Edmund Hillary und den Nepalesen Tenzing Norgay am 29. Mai 1953 auf über 14.700. Damit ist er der mit Abstand am häufigsten bestiegene Achttausender.

Der Supreme Court, das oberste Gericht Nepals, hatte im Mai 2024 die Regierung aufgefordert, die Zahl der Permits aus ökologischen Gründen zu begrenzen. Die begrenzte Kapazität der Berge müsse „respektiert“ werden, hieß es damals. Konkreter wurde das Gericht nicht – und ließ damit alle Hintertüren offen. Und so gibt es bis heute keine Obergrenze für Permits. Das kommerzielle Bergsteigen am Everest ist eine gut geölte Geldmaschine.

Nirmal Purja und Nikol Kovalchuk ohne Atemmaske auf dem Everest

Nikol Kovalchuk
Nikol Kovalchuk

In den letzten Tagen der Saison gab es zwei weitere Everest-Gipfelerfolge ohne Flaschensauerstoff. Nirmal Purja, Chef des Veranstalters Elite Exped, erreichte den höchsten Punkt ebenso ohne Atemmaske wie seine russische Kundin Nikol Kovalchuk. Sie gehörten zu einem 27-köpfigen Team am Gipfel, die anderen 25 nutzten Flaschensauerstoff.

Purja hängte noch den 8516 Meter hohen Lhotse an. Nach eigenen Angaben stand er – weiter ohne Atemmaske – 13 Stunden und 42 Minuten nach dem Everest-Gipfelerfolg auf dem höchsten Punkt des vierthöchsten Bergs der Erde.

Nepalesischer Bergsteiger vermisst

Möglicherweise gibt es noch einen sechsten Todesfall der Saison zu beklagen. Nach Informationen des nepalesischen Portals The Tourism Times blieb am Freitagabend Ortszeit der Nepalese Dawa Sherpa, der für den Veranstalter Himalayan Traverse arbeitete, beim Abstieg in der Lhotse-Flanke zurück. Er sei bis heute nicht in Lager 2 auf 6400 Metern angekommen, ließ der Chef des Unternehmens wissen, der ebenfalls Dawa Sherpa heißt. Es habe keine Rettungsaktion gegeben, weil die Leitern im Khumbu-Eisbruch bereits entfernt seien.

Warum für die Suche nach dem Vermissten kein Hubschrauber eingesetzt wurde, blieb offen. Einige Mitglieder kommerzieller Teams waren heute mit dem Heli von Lager 2 ins Basislager geflogen worden.

6 Kommentare

  1. Wer kümmert sich eigentlich um den ganzen Müll , der dort anfällt ?? Es gibt doch genug Müllberge auf der Welt !
    Wie schaut’s mit Doping aus ??

      1. Ein Wunder ist geschehen.
        Dawa Tenzing hat mit eigenen Kräften das Basislager erreicht und wurde ins Krankenhaus geflogen.

  2. “Abfallchaos auf dem Mount Everest. Höchster Berg der Welt versinkt im Müll” 6/26
    Pollution Control?? Hahaha!!

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