Everest-Zensur

Menschenschlange am Everest-Gipfelgrat (im Mai 2019)

Was für ein plumper Versuch! Die Regierung Nepals versucht, unliebsame Bilder und Videos vom Mount Everest zu verhindern. In einer Auflistung von Regeln für Expeditionen zum höchsten Berg der Erde – bezeichnenderweise bisher nur in Nepali veröffentlicht – wird den Bergsteigern untersagt, mit ihren Videokameras oder Smartphones andere Kletterer aufzunehmen und die Bilder und Filme dann über die sozialen Netzwerke zu verbreiten.

Jeder könne sich selbst oder seine Gruppe fotografieren oder filmen und diese Aufnahmen ins Internet stellen, präzisierte Mira Acharya, Direktorin im nepalesischen Tourismusministerium, gegenüber der Zeitung Kathmandu Post. „Aber sie werden belangt, wenn sie Bilder von anderen Kletterern ohne die Zustimmung der (zuständigen) Abteilung (des Ministeriums) machen und teilen.“ Dies, so Acharya, sei schon seit langem gesetzlich verboten, aber niemand habe sich an die Vorschrift gehalten.

Geschäftsschädigend

Everest-Basislager von oben (im Frühjahr 2019)

Konkret bedeutet die neue Regel nichts anderes als Everest-Zensur: Will du als Bergsteiger etwa Bilder von einem Stau am Gipfelgrat oder auch von Leichen am Wegesrand veröffentlichen, musst du dir die Genehmigung des Tourismusministeriums einholen. Das kannst du dir eigentlich aber auch gleich sparen, denn du wirst diese Genehmigung niemals erhalten. Der Everest ist schließlich für Nepal und seine Regierung ein lukratives Geschäft – und solche Bilder sorgen für schlechte Stimmung und wirken damit potentiell geschäftsschädigend.

„Besseres Management“

So war im Frühjahr 2019 ein Stau-Bild, das der nepalesische Bergsteiger Nirmal Purja aufgenommen hatte, viral gegangen. Weltweit war daraufhin über die Auswüchse am Everest diskutiert worden, auch darüber, ob die Zustände dafür verantwortlich waren, dass in jener Saison elf Bergsteiger ums Leben gekommen waren. „Es liegt nicht am Stau, dass es Todesfälle gab“, hatte ein Vertreter des nepalesischen Tourismusministeriums damals entgegnet. Beim nächsten Mal werde man als Konsequenz nicht – wie von vielen Kritikern seit Jahren gefordert – die Zahl der Permits reduzieren, sondern einfach im Gipfelbereich zwei Seile verlegen, um ein „besseres Management des Bergsteiger-Durchflusses“ zu erreichen.