Familie Smith und ihr exklusives Everest-Abenteuer

Familie Smith im Everest-Basislager

Als sie das Basislager des Mount Everest erreichten, gönnten sich Julie und Chris Smith einen Schluck schottischen Whisky. Außer dem Ehepaar aus Schottland, ihren beiden Kindern –  der neunjährigen Tochter Erihn und dem vierjährigen Sohn Jacob – und den nepalesischen Begleitern Kevin Sherpa und Dhanku Rai war niemand sonst an dieser Stelle auf fast 5400 Metern, dem Ziel einer der populärsten Trekkingrouten der Welt.

Die Corona-Pandemie hatte die Wanderung der schottischen Familie Smith zu einem exklusiven Abenteuer gemacht. Drei Monate lang hatten Julie, Chris und ihre Kinder in Lukla festgesessen, ehe der Lockdown in Nepal etwas gelockert wurde und Kevin Sherpa die nötigen Papiere organisieren konnte, damit die Familie ihr Trekking fortsetzen konnte.

Everest-Trekking nach drei Monaten Lockdown

Jacob (l.) und Erihn bestaunen den Khumbu-Gletscher

Vor gut einem Jahr, Ende Juli 2019, war die Familie aus Aberdeen zu ihrer persönlichen Traumreise aufgebrochen, die sie über Ost- und Südosteuropa, den Nahen Osten und Indien schließlich nach Nepal geführt hatte. In ihrem Facebook-Blog „Clan Wander“ berichten die Smiths seitdem über ihre Abenteuer.

Als sie Mitte März gerade ihre Trekkingtour Richtung Everest-Basislager begonnen hatten, schlug die Pandemie zu. Die Regierung Nepals verhängte den Lockdown. Die Smiths wanderten noch bis Lukla weiter, dort war dann zunächst einmal Endstation.

Mittlerweile befinden sich die 46 Jahre alte Julie, ihr 41 Jahre alter Ehemann Chris und die beiden Kinder auf dem Rückweg vom Everest-Basislager durch das Khumbu-Gebiet. Sie streuten auch noch einen Abstecher ins Gokyo-Tal ein. Ich habe das Ehepaar aus Schottland per Mail erreicht.

Julie und Chris, als der Lockdown verkündet wurde, haben die meisten ausländischen Touristen versucht, so schnell wie möglich nach Kathmandu zurückzukehren, um in die Heimat zurückzufliegen. Warum habt ihr es nicht so gemacht?

Während des Lockdowns in der Lodge in Lukla

Wir waren gerade zwei Tage unterwegs, als wir hörten, dass über Nepal ein Lockdown verhängt werden sollte. Unsere neuseeländischen Freunde (mit denen wir die Trekkingtour zum Everest-Basislager begonnen hatten) entschieden sich, am nächsten Tag, dem 21. März, nach Hause zu fliegen, eine Reise von 50 Stunden.

Wir wussten, dass Schottland zu dieser Zeit mit Covid nicht gerade gut umging und die Zahl der Fälle täglich stieg. Außerdem wäre es eine lange Reise gewesen, mit ungewissen Terminen und Abläufen. Glücklicherweise kehrten unsere neuseeländischen Freunde wohlbehalten nach Hause zurück und gingen direkt in Quarantäne. Wir hingegen beschlossen, in den Bergen zu bleiben und weiterzuwandern. Wir wussten, dass das Gebiet unter Quarantäne gestellt würde. Die örtlichen Nepali rieten uns davon ab, nach Kathmandu zurückzukehren, da die Berge die sicherere Option darstellten.

Ihr saßet drei Monate in Lukla fest. Wie habt ihr verhindert, dass euch und euren Kindern die Decke auf den Kopf fiel?

Zu dem Zeitpunkt, als der Lockdown in Kraft trat, waren wir bereits seit neun Monaten unterwegs, sodass wir es bereits gewöhnt waren, rund um die Uhr die Zeit miteinander zu verbringen. Ich sage nicht, dass es einfach war, aber es war auch nicht schrecklich. Wir mussten auf dem Gelände des Teehauses bleiben und durften drei Monate lang nicht nach Lukla herein – zu unserer eigenen Sicherheit und jener der Einheimischen. Außerdem wurden wir schon früh im Krankenhaus von Lukla auf das Virus getestet und dann fast in Isolation gehalten.

Zum Glück war das Gelände weiträumig. Wir spielten viel Verstecken und bauten Höhlen in den Wäldern, was uns in unsere eigene Kindheit zurückversetzte. Die kalten Temperaturen im März waren eine kleine Herausforderung. Körperpflege mit dem Wassereimer, Wäschewaschen im Freien, nur ein Holzofen im Essbereich – das machte es manchmal schwierig und ungemütlich. Ansonsten waren die Kinder glücklich, auf dem Gelände zu spielen und einfach nur Kinder zu sein. Es ist erstaunlich, wie schnell man sich als Familie anpassen kann, wenn es keine oder nur begrenzte Möglichkeiten gibt.

Ihr seid schließlich bis zum Everest BC getrekkt, dann auch noch ins Gokyo-Tal. Wie war die mentale Verfassung der Menschen, denen ihr im Khumbu begegnet seid?

Kleine Beine in großer Form

Glücklicherweise konnten wir, sobald der Lockdown abgemildert wurde, unser Trekking zum Everest-Basislager mit unseren beiden nepalesischen Freunden abschließen – wir waren als unabhängige Trekkingtouristen unterwegs. Das tat uns gut – und auch den Einheimischen. Unsere Freunde erklärten, dass wir den Lockdown in Lukla verbracht hätten und nicht direkt aus Kathmandu gekommen seien. Sobald die Einheimischen dies wussten, konnte man sehen, wie sie sich entspannten.

Sie sind offensichtlich sehr besorgt über das Virus und darüber, wie es sich jetzt und langfristig auf sie auswirken wird. Wir haben auch erlebt, wie sich die Corona-Krise auf ihre psychische Gesundheit auswirkt. Darüber wird nicht offen gesprochen, aber wir haben es gespürt. Wie in jedem anderen Land der Welt ist es auch für Nepal eine sehr schwierige Zeit.

Hattet ihr keine Angst gehabt, euch mit dem Coronavirus zu infizieren oder höhenkrank zu werden – vor allem, da ihr mit zwei so kleinen Kindern unterwegs wart?

Was die Höhenkrankheit betrifft, haben wir wegen der Kinder mehr Ruhetage eingeplant als normale Trekkingtouristen, und wir waren sehr langsam unterwegs. Wir hatten keinen Grund, auf dieser Wanderung irgendetwas zu überstürzen, wir wollten einfach die Ruhe auf der Route genießen. Das Ergebnis war positiv. Wenn überhaupt, waren es wir Erwachsene, die unter Magengrimmen und leichten Kopfschmerzen litten.

Der Solukhumbu-Bezirk war und ist (in Sachen Corona) immer noch ein grüner Bereich, in der ganzen Region wurden Tests durchgeführt. Wir selbst waren ja in Lukla getestet worden, was uns ein sicheres Gefühl gab.

Wie sind die Einheimischen mit der Corona-Krise umgegangen?

Nach dem Everest-Basislager ins Gokyo-Tal

Dieser spezielle Bezirk ist durch seine geographische Lage bis zu einem gewissen Grad abgeschottet. Uns war klar, dass die Einheimischen auch während des Lockdowns ihr normales Leben weiterführen würden, ohne soziale Distanz, mit kleinen Zusammenkünften. Alles, was wir tun konnten, war, unsere Familie in Sicherheit und Isolation zu bringen.

Was nehmt ihr mit von eurem Everest-Abenteuer?

Wir haben jeden Tag unseres Trekkings zum Everest-Basislager genossen und hoffentlich anderen gezeigt, dass kleine Menschen das Abenteuer nicht behindern, sondern es bereichern.