K2 im Winter: Drei Teams am Berg, Basislager gefüllt

Blick auf den K 2 vom Basislager aus (2004)

Noch lässt der K2 seine Winter-Muskeln nicht spielen. Noch mindestens bis Mittwoch prognostizieren die Meteorologen ruhiges Winterwetter am zweithöchsten Berg der Erde – mit Windgeschwindigkeiten von nur rund 20 Stundenkilometern und Temperaturen im Gipfelbereich um minus 40 Grad Celsius.

„Wir wollen das Beste aus dem Wetter machen“, ließ der Nepalese Nirmal „Nims“ Purja wissen, bevor er am Sonntag mit vier Sherpas aus dem Basislager aufbrach. Im Idealfall wolle man die Route über den Abruzzi-Grat bis hinauf zum letzten Hochlager auf 7600 Metern sichern, teilte Nims mit. Mingma Gyalje Sherpa, der mit seinen nepalesischen Teamgefährten Dawa Tenzing und Kili Pemba ebenfalls aufstieg, gab Lager 3 auf 7200 Metern als vorläufiges Ziel aus. Und auch der Isländer John Snorri Sigurjonsson und das pakistanische Vater-Sohn-Duo Muhammad Ali und Sajid Ali „Sadpara“ stiegen wieder in die Route ein. Heute erreichten sie nach Johns Angaben bei minus 30 Grad und viel Blankeis Lager 2 auf 6700 Metern.

Dieses Trio hatte das Basislager zu Füßen des K2 bereits am 5. Dezember erreicht. Inzwischen ist dort auch die größte Gruppe eingetroffen, das Team des Expeditionsveranstalters „Seven Summit Treks“. Insgesamt wollen sich rund 60 Bergsteiger an der ersten Winterbesteigung des K2 versuchen. Der 8611 Meter hohe Berg ist der einzige der 14 Achttausender, der noch niemals in der kalten Jahreszeit bestiegen wurde.

Diskussion über Stilfragen

Ralf Dujmovits

Ralf Dujmovits – der erste und bisher einzige deutsche Bergsteiger, der auf allen Achttausendern stand – hat eine Debatte über den Stil des möglichen ersten Wintererfolgs am K2 angestoßen. „Ich fände es wirklich schade, wenn jemand die erste Winterbesteigung des K2 mit Hilfe von zusätzlichem Sauerstoff stiehlt“, schrieb der 59-Jährige auf Instagram. „Die breite Öffentlichkeit mag diese ‚Eroberung‘ des K2 als große Leistung sehen, aber die erste Winterbesteigung sollte denen überlassen werden, die es mit fairen Mitteln schaffen.“

Nur am Everest mit Flaschensauerstoff

Wielicki (l.) und Cichy nach der Wintererstbesteigung des Everest 1980

Bei zwölf der 13 bisherigen Wintererstbesteigungen von Achttausendern verzichteten die Bergsteiger auf Flaschensauerstoff. Lediglich beim ersten Wintererfolg 1980 am Mount Everest nutzten die Polen Krzysztof Wielicki und Leszek Cichy oberhalb des Südsattels auf knapp 8000 Metern Atemmasken -“weil wir nicht wussten, dass es ohne geht”, wie mir Krzysztof einmal erzählte. „Unser Expeditionsleiter [Andrzej Zawada] sagte, hier ist die Flasche. Die müsst ihr tragen. Eine Flasche, neun Kilo! Als wir den Gipfel erreichten, stellten wir fest, dass die Flaschen leer waren.“

Bis wohin reicht „mit fairen Mitteln“?

Einige wenige der K2-Anwärter in diesem Winter wie Mingma Gyalje Sherpa, die Südtirolerin Tamara Lunger und ihr Seilpartner, der Rumäne Alex Gavan, der Pole Waldemar Kowalewski oder auch der Chilene Juan Pablo Mohr haben angekündigt, den zweithöchsten Berg der Erde ohne Flaschensauerstoff besteigen zu wollen. Keiner von ihnen hat bisher jedoch einen Aufstieg über eine andere Route als den Abruzzi-Sporn in Aussicht gestellt. Diese Route wird dann an den entscheidenden Stellen mit Fixseilen gesichert sein, die womöglich zumindest im oberen Bereich Bergsteiger mit Atemmaske dort angebracht haben. Ist das noch „mit fairen Mitteln“? Diese Frage stellt sich übrigens nicht nur am K2.

Update 30. Dezember: John Snorri Sigurjónssons GPS-Tracker zeigt, dass er und seine Teamgefährten ins Basislager zurückgekehrt sind.

5 Antworten auf „K2 im Winter: Drei Teams am Berg, Basislager gefüllt“

  1. Ralf hat Recht: mit viel technischem Aufwand lässt sich alles realisieren: Die Everest-SW-Wand im Winter, wie es die Japaner gezeigt haben, die Lhotse-S-Wand Direktroute, wie von den Russen durchgeführt, und sogar auf dem Mond wandern ist möglich…
    Gerade in Corona- und Erderwärmungszeiten sollten wir Bergsteiger zeigen, dass es um respektvollen Umgang mit der Natur geht und nicht um Eroberung um jeden Preis!

    1. Naja, über die Aussage von Ralf kann man differenziert denken: Er selbst hat sich den Titel „erster Deutscher auf allen vierzehn 8000ern“ dann ebenso „gestohlen“. So stand er selbst am Everest 92 auch nur nachdem er auf Flaschensauerstoff zurückgegriffen hat. Warum hat er nicht den Ruhm zukünftigen Bergsteigergenerationen überlassen, die das „mit fairen Mitteln“ schaffen können?

  2. Wird mit jedem Jahr spannender, zu sehen, ob der Mensch schon soweit ist, den K2 im Winter zu besteigen. Eins ist sicher, wer das überhaupt nur versucht, beweist Mut. Wenn selbst dem Herrn Moro das Ganze zu heikel ist, sagt das alles. Ich glaube, wenns mal einer schafft, dann einer wie dieser Bielecki – der z.B. ist stark und leidensfähig, und ist noch überall durchgekommen. Aber selbst so ein Topmann bräuchte das entsprechende Team (hat er ja bisher immer gehabt) und vor allem viel, viel Glück. Jetzt sind diesen Winter 70 Bergsteiger am K2 – und die können noch so viel Sauerstoff und Fixseile nutzen, am Ende wird es wieder äußerst zweifelhaft sein, dass auch nur einer den Gipfel erreicht. Auch wenn mit O2-Einsatz der Berg zum 6500er oder 7000er wird, ist so eine K2-Besteigung im Winter halt richtiges Karakorum-Winterbergsteigen, bis UIAA 3-5. Gefährlich ist der K2 zudem immer, siehe 1986 oder 2008. Wünsche also allen Aspiranten eine gesunde Heimkehr, ob mit Gipfel oder ohne. Ich glaube, ein Abenteuer ist es allein schon, das winterliche Basecamp zu erreichen. Deshalb sage ich ja, Hut ab, wer das wagt. Wenn ich daran denke, wie ein nicht wirklich außergewöhnlicher Höhensturm (diese Winde und Kälte gibt es im Winter im Karakorum ständig) vor wenigen Jahren den Gerfried, den Cedric und den Nisar aller Wahrscheinlichkeit nach einfach vom Hochplateau am Hidden Peak geweht hat, muss ich wirklich hoffen, dass sich sowas nicht am K2 zutragen wird – denn der ist sicher noch einmal deutlich exponierter. Am K2 gibts nunmal keinen Tourismus, das ist ein Berg für Profis, ein Kletterberg – wer da im Winter unterwegs ist, beweist richtig viel Mut…

  3. Interessante Ansichten
    Als zweiter Deutscher der nach Ralf die drei höchsten bestiegen hat, vertrete ich die Meinung dass ich nur im Sommer und nur mit Sauerstoff es schaffen konnte. Im Winter ohne O2 ist für mich undenkbar und lebensmüde, wieviele es diesen Winter schaffen und lebend zurück kommen?? Hoffen wir das Beste.
    Und! Jeder muss dies O2 Frage für sich selbst entscheiden, einen öffentlichen Druck von Nicht-Bergsteigern aufzubauen finde ich überheblich

    1. Ich denke, die Diskussion über eine erste Winterbesteigung ohne Flaschensauerstoff wird in erster Line von Bergsteigern geführt – neben Ralf haben sich auch polnische Bergsteiger oder auch der Spanier Kilian Jornet entsprechend geäußert.

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