K2 im Winter: Auch Tamara Lunger ist dabei

Tamara Lunger

Sie hat lange ein Geheimnis darum gemacht. Erst im Flugzeug nach Islamabad legte sie die Karten auf den Tisch: Neben vielen anderen will sich auch die Südtiroler Bergsteigerin Tamara Lunger in diesem Winter am K2 versuchen.  Dies sei „ein Traum von mir seit Jahren“, sagt die 34-Jährige in einem Video, das sie auf Instagram postete. „Ich bin so aufgeregt.“ Bereits im Oktober war Tamara auf der langen K2-Teilnehmerliste aufgetaucht, die der nepalesische Expeditionsveranstalter Seven Summit Treks in den sozialen Medien veröffentlicht hatte. Lunger war darüber sauer gewesen und hatte dafür gesorgt, dass sie von dieser Liste gestrichen wurde. Nun also doch. Vielleicht wollte Tamara im Vorfeld einfach nur ihre Ruhe haben.

2014 ohne Flaschensauerstoff auf dem K2

Tiefschnee am Manaslu

2010 bestieg die Südtirolerin mit Atemmaske den Lhotse, mit 23 Jahren als damals jüngste Frau in der Geschichte dieses Achttausenders. 2014 war dann der K2 dran, ohne Flaschensauerstoff erreichte sie den Gipfel auf 8611 Metern. Wintererfahrung hat Tamara reichlich. 2015 scheiterte sie mit dem Italiener Simone Moro am Achttausender Manaslu, heftige Schneefälle machten einen Aufstieg unmöglich.

Kurz vor dem Gipfel des Nanga Parbat umgekehrt

Tamara Lunger (2.v.l.) mit den Wintererstbesteigern des Nanga Parbat, Alex Txikon, Simone Moro und Muhammad Ali „Sadpara“(v.l.)

Im Februar 2016 fehlten ihr am Nanga Parbat nur 70 Höhenmeter zum Ruhm, als erste Frau zu den Wintererstbesteigern eines Achttausenders zu gehören. Während Moro, der Spanier Alex Txikon und der Pakistani Muhammad Ali Sadpara zum Gipfel aufstiegen, kehrte Lunger um. Während des gesamten Gipfeltags war es ihr schlecht gegangen, sie hatte sich den Berg regelrecht hinaufgeschleppt. Dann habe Gott zu ihr gesprochen, erzählte sie mir 2018: „Normalerweise bekomme ich immer, was ich erbitte. Aber an dem Tag hat zehn Stunden Beten nichts geholfen. Da habe ich gewusst, da ist etwas faul.“ Im Abstieg geriet sie ins Rutschen. „Es war mein bisher todesnächstes Erlebnis. Auch beim Absturz habe ich mit dem Herrgott geredet: ‚Ich hätte nicht gedacht, dass es jetzt schon so schnell passiert. Aber wenn es so sein muss, bin ich eben bereit, und das passt.‘“ Nach 200 Metern blieb Tamara im lockeren Schnee liegen.

Moro gerettet

Bei der Wintererstbesteigung des Gora Pobeda

Im Februar 2018 gelang Lunger und Moro im eiskalten Osten Sibiriens bei Temperaturen um minus 50 Grad Celsius die erste Winterbesteigung des 3003 Meter hohen Gora Pobeda (auch Pik Pobeda genannt). Im Januar 2020 scheiterten die beiden im Karakorum mit ihrem Vorhaben, nacheinander die Achttausender Gasherbrum I und II zu besteigen. Moro stürzte in eine Gletscherspalte, Tamara gelang es den Sturz mit dem Seil zu stoppen und ihrem Teamgefährten aus der Spalte zu helfen.

„Schickt mir ganz viel Energie“

Der K2, der zweithöchste Berg der Erde

Normalerweise liebt es Tamara Lunger, am Berg im kleinen Team und mit sauberem Stil unterwegs zu sein. Am K2 wird die 34-Jährige jedoch ein Basislager erleben, das so voll ist, wie sie es noch niemals zuvor bei einer ihrer Winterexpeditionen erlebt hat. Rund 60 Bergsteiger aus 19 Ländern versuchen sich am zweithöchsten Berg der Erde, der als einziger der 14 Achttausender noch nie im Winter bestiegen wurde. „Es werden eine Menge Leute dort sein, wie ihr vielleicht schon aus den Medien wisst“, sagt Tamara in dem Instagram-Video ihren Fans. „Also schickt mir bitte ganz viel Energie, damit ich fokussiert bleibe, ganz egal was passiert.“

Nepalesen kündigen Manaslu-Versuch an

Erstmals wird sie auch bei einer Winterexpedition ohne ihren Mentor Simone Moro unterwegs sein. Der 53-Jährige kehrt mit den Spaniern Alex Txikon und Inaki Alvarez zum Manaslu zurück. Auch ein nepalesisches Duo kündigte jetzt einen Winterversuch am achthöchsten Berg der Erde an: Tenji Sherpa und Vinayak Jay Malla wollen den Manaslu nach eigenen Worten im Alpinstil besteigen – ohne feste Lager und ohne Flaschensauerstoff.

Update 22. Dezember: Inzwischen ist auch bestätigt, dass Tamara mit dem rumänischen Bergsteiger Alex Gavan ein Team bildet und beide ohne Flaschensauerstoff aufsteigen wollen. Der 38-Jährige hat sieben Achttausender ohne Atemmaske bestiegen: Cho Oyu (2006), Gasherbrum I (2007) und II (2019), Makalu (2008), Manaslu (2011), Shishapangma (2013) und Broad Peak (2014). Beim Trekking zum Broad Peak bzw. K2 lernten sich Alex und Tamara 2014 kennen, am Berg waren sie noch nie gemeinsam unterwegs.