K2 im Winter: Eine extrem harte Nuss

K2 mit Windfahne

„Das Winterbergsteigen verschafft mir die größte Befriedigung, weil es die Latte der Schwierigkeiten höher legt, weil es dem Kletterer viel abverlangt. Es zeigt uns, wozu wir fähig sind. Für mich ist das die Zukunft des Himalaya-Bergsteigens – die schwierigsten Routen unter den härtesten Bedingungen.“ Das schrieb einst der Pole Andrzej Zawada. Der Pionier des Winterbergsteigens an den höchsten Bergen der Welt leitete die polnische Winterexpedition zum Mount Everest, bei der Krzysztof Wielicki und Leszek Cichy am 17. Februar 1980 die erste Winterbesteigung eines Achttausenders gelang – und acht Jahre später auch die erste Winterexpedition zum 8611 Meter hohen K2 in Pakistan.

Bis heute ist der zweithöchste Berg der Erde der einzige der 14 Achttausender, der noch nie in der kalten Jahreszeit bestiegen wurde. Dass sich in diesem Winter 2020/21 rund 60 Bergsteiger aus 19 Ländern am K2 versuchen werden – etwa so viele wie in einer normalen Sommersaison – hätte Zawada wahrscheinlich nicht für möglich gehalten.

In den gut drei Jahrzehnten, die seit der ersten K2-Winterexpedition vergangen sind, verließen sieben Teams den Chogori – so nennen die einheimischen Balti den Berg – mit leeren Händen. Der Blick zurück.

Polnisch-kanadisch-britische Expedition 1987/88

Andrzej Zawada (1928-2000)

Die Everest-Wintererstbesteiger Wielicky und Cichy gehörten auch zu Zawadas Team am K2, das aus 13 Polen, sieben Kanadiern und vier Briten bestand. Sie versuchten den Aufstieg über die Abruzzi-Route, scheiterten jedoch an den extrem kalten Temperaturen und Stürmen in Orkanstärke. In drei Monaten am Berg gab es kein einziges brauchbares Wetterfenster. Der höchste erreichte Punkt war Lager 3 auf 7300 Metern.

Internationale Expedition 2002/03

Die Nordseite des K 2

Eigentlich hatte Zawada auch den nächsten Winterversuch geplant, diesmal auf der chinesischen Nordseite des K2. Doch er starb im Jahr 2000. Wielicki übernahm die Rolle des Expeditionsleiters. Die Bergsteiger des Teams kamen aus Polen, Kazachstan, Usbekistan und Georgien und wollten über den Nordgrat aufsteigen. Auch in jenem Jahr herrschten eisige Temperaturen, mehrere Bergsteiger zogen sich Erfrierungen zu und brachen vorzeitig ab. Trotz widrigen Wetters gab es einen Gipfelversuch. Denis Urubko und Marcin Kaczkan kamen bis Lager 4 auf 7650 Metern. Weil Kaczkan Symptome eines Höhenhirnödems zeigte, stiegen beide ab.   

Russische Expedition 2011/2012

Der dritte Winterversuch am K2 scheiterte wieder an extremen Wetterverhältnissen mit Orkanböen und Eiseskälte. Das russische Team unter Expeditionsleiter Victor Kozlov stieg über den Abruzzi-Grat auf und gelangte bis auf eine Höhe von 7200 Metern. Vitaly Gorelik zog sich bei dem Vorstoß Erfrierungen und eine Lungenentzündung zu. Tagelang kämpften seine Gefährten im Basislager um das Leben des 44-Jährigen. Das anhaltend schlechte Wetter verhinderte jedoch eine Rettungsaktion. Gorelik starb. Erst drei Tage danach konnte ein Hubschrauber landen. Die Expedition wurde abgebrochen.

Polnische Expedition 2017/2018

Bielecki, nachdem er von einem Stein getroffen worden war

Wieder leitete Krzysztof Wielicki die Expedition, an der außer ihm noch vier weitere Wintererstbesteiger von Achttausendern teilnahmen: Denis Urubko (Makalu, Gasherbrum II), Adam Bielecki (Gasherbrum I, Broad Peak), Artur Malek (Broad Peak) und Janusz Golab (Gasherbrum I). Die Expedition stand unter keinem guten Stern. Zunächst beteiligten sich vier Teammitglieder an einer Rettungsaktion am Nanga Parbat für die Französin Elisabeth Revol und den Polen Tomek Mackiewicz. Urubko und Bielecki konnten Revol retten, Mackiewicz nicht. Zurück am K2 wurden Bielecki und Rafael Fronia auf der Abruzzi-Route durch Steinschlag verletzt. Am höchsten gelangte Urubko: bis auf 7600 Meter – bei einem Soloversuch, den er ohne Absprache mit Wielicki unternommen hatte. Der Expeditionsleiter schloss Urubko wegen dessen, wie Wielicki es nannte, „selbstsüchtigen“ Verhaltens von der Expedition aus.

Internationale Expedition und spanische Expedition 2018/2019

Alex Txikon auf der Abruzzi-Route

Ein Team aus Kasachstan, Russland und Kirgisien unter Leitung von Vassiliy Pivtsov scheiterte auf der Abruzzi-Route. Wegen schlechter Sicht brachen die Bergsteiger einen Gipfelversuch auf 7500 Metern ab. Auch der Spanier Alex Txikon und sein Sherpa-Team kehrten ohne Gipfelerfolg zurück. Für sie war auf 7050 Metern Endstation. Txikon und drei Teammitglieder hatte sich zuvor an der Suche nach den beiden am Nanga Parbat vermissten Bergsteigern Daniele Nardi und Tom Ballard beteiligt und dafür ihre Ambitionen am K 2 hintenan gestellt. Alex hatte schließlich mit dem Teleskop im Fels der „Mummery-Rippe“ auf einer Höhe von rund 5900 Metern die leblosen Körper des 42 Jahre alten Italieners und des 30 Jahre alten Briten entdeckt.

Internationale Expedition 2019/2020

Die Expedition unter Leitung des Nepalesen Mingma Gyalje Sherpa endete nach nur zwei Wochen: ohne Gipfelversuch und im Streit. Der Isländer John Snorri Sigurjonsson und der Slowene Tomaz Rotar warfen Mingma und anderen Teammitgliedern vor, schlecht vorbereitet zum K2 gekommen zu sein. Auf 6300 Metern war Endstation.

Eine Antwort auf „K2 im Winter: Eine extrem harte Nuss“

  1. Vielen Dank für den übersichtlichen und sehr informativen Rückblick! Ich freue mich schon sehr hier noch mehr zu lesen!

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