Pemba Sharwa Sherpa: „Klettern aus Leidenschaft“

Pemba Sharwa Sherpa
Pemba Sharwa Sherpa

„Es war eine ziemlich lange Zeit zu Hause“, schreibt mir Pemba Sharwa Sherpa. „Ein Jahr lang konnte ich wegen der Corona-Pandemie nicht arbeiten. Meinen Freunden hier in Phortse erging es genauso. Die meisten von ihnen bereiten sich darauf vor, wieder auf den Everest zu steigen.“ In diesem Frühjahr will Pemba zwei Brasilianer auf den Gipfel des Mount Everest führen.

Der 29-Jährige stammt aus dem 3840 Meter hoch gelegenen Phortse, dem Dorf im Khumbu-Gebiet mit der höchsten Dichte an Besteigern des Mount Everest: Mehr als 80 Bewohner standen bereits auf dem höchsten Punkt der Erde auf 8849 Metern. Pemba wurde in eine „Everest-Familie“ hineingeboren: Sein Vater Lhakpa Dorje erreichte 1987 den Gipfel und arbeitete bei insgesamt über 30 Achttausender-Expeditionen. Einer von Pembas Großvätern versorgte 1953 die Expedition der Everest-Erstbesteiger Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay mit Yaks, der andere Großvater heuerte bei fast 20 Expeditionen an.

Immer aktiv in den Bergen

Phortse
Das Dorf Phortse, rechts im Hintergrund der Sechstausender Ama Dablam

Das Erfolgsgeheimnis der Bergsteiger aus Phortse liege im Alltagsleben der Menschen dort begründet, glaubt Pemba: „Jeder Morgen beginnt mit körperlicher Arbeit, zum Beispiel Wasser holen in Gallonen oder Brennholz hacken. Anschließend arbeiten die Menschen gemeinsam in den Kartoffel- oder Buchweizenfeldern oder sammeln Brennholz. Wir müssen oft auf hochgelegene Weiden wandern, um Yaks grasen zu lassen. Zum Wochenmarkt nach Namche Bazar wandern wir elf Kilometer hinunter und kommen am selben Tag abends wieder nach Hause. Um das ganze Jahr über körperlich aktiv zu bleiben, brauchen wir also keine zusätzlichen Trainings oder Übungen. Ich glaube, das ist das Geheimnis der besten Bergsteiger von Phortse.“

Schon auf drei Achttausendern

Pemba 2013 auf dem Gipfel des Mount Everest
Pemba 2013 auf dem Gipfel des Mount Everest

Obwohl noch keine 30 Jahre alt, hat Pemba Sharwa bereits viel Achttausender-Erfahrung gesammelt. 2012 und 2013 erreichte er als Climbing Sherpa des US-Expeditionsveranstalters International Mountain Guides (IMG) den Gipfel des Mount Everest. 2014 entkam er um Haaresbreite der Lawine im Khumbu-Eisbruch, bei der 16 nepalesische Bergsteiger ums Leben kamen. 2019 begleitete er eine US-Wissenschaftsexpedition zum Everest und half dabei, eine Wetterstation auf dem sogenannten „Balkon“ zu installieren, einem kleinen Plateau auf 8430 Meter Höhe.

2018 bestieg Pemba zudem den 8516 Meter hohen Lhotse. Zweimal – 2018 und 2019 – stand er auf dem 8163 Meter hohen Manaslu, 2018 ohne Flaschensauerstoff. Es war Pembas erster Achttausender-Erfolg ohne Atemmaske.

Erstbesteigung des Luza Peak

Pemba Sharwa Sherpa, Urken Lendu Sherpa, Lakpa Gyalje Sherpa
Erstbesteigung des Luza Peak: Pemba Sharwa Sherpa, Urken Lendu Sherpa, Lakpa Gyalje Sherpa (v.l.n.r.)

Die Wintererstbesteigung des K2 in Pakistan am 16. Januar durch zehn Bergsteiger aus Nepal sei „eine große Inspiration und Motivation“ gewesen, sagt Pemba, „für jeden, der es wagt,  sich einen Schritt weiter oder auf die nächste Leistungsebene zu begeben“.

Auch sein eigener Wintererfolg am Luza Peak habe die junge Klettergeneration seines Heimatlands inspiriert. Ende 2020 war Pemba mit seinen Freunden Urken Lendu Sherpa (er stürzte bei einer späteren Tour Ende Januar tödlich ab) und Lakpa Gyalje Sherpa die Erstbesteigung des 5726 Meter hohen Luza Peak im Khumbu gelungen – in sauberem Stil, über eine anspruchsvolle Route.

Leben vom und für das Bergsteigen

Eines der Hauptziele am Luza Peak, sagt Pemba Sherpa, sei es gewesen, eine klare Botschaft an die Klettergemeinde in Nepal und den Rest der Welt zu schicken, „dass wir Sherpas nicht nur klettern, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Wir klettern aus Leidenschaft, als Hobby – und um uns als Persönlichkeit weiterzuentwickeln und unsere Fähigkeiten als Profibergsteiger zu verbessern.“

Pemba Sherpa beim Eisklettern
Beim Eisklettern

Pemba gehört zur jungen Sherpa-Generation, die vom und für das Bergsteigen leben wollen. Der 29-Jährige ist Chef des Expeditionsveranstalters Sherpath Treks & Expedition. Außerdem bildet er am Khumbu Climbing Center in Phortse nepalesische Bergsteiger im Eisklettern aus. Das Kletterzentrum wurde 2003 vom US-Bergsteiger Conrad Anker und seiner Frau Jennifer Lowe-Anker gegründet.

Die Botschaft, dass junge Sherpas auch ihre eigenen sportlichen Ziele verfolgen, muss sich bei vielen Menschen in Nepal, vor allem der älteren Generation, erst noch setzen. „Für unsere Freunde und die Leute hier in Phortse und im Khumbu, ist es nicht normal, dass selbst auf Expedition oder Klettertouren zu gehen“, sagt Pemba. „Also hielten wir uns vor und während der Expedition zum Luza Peak bedeckt und rückten erst hinterher mit der großen Neuigkeit der Erstbesteigung heraus.“

Eine Antwort auf „Pemba Sharwa Sherpa: „Klettern aus Leidenschaft““

  1. Es ist bemerkenswert wie eine junge Kletterelite in Nepal heranwächst. Sie klettern voll Leidenschaft, obwohl sie
    auch viel Leid erfahren müssen. Oft gibt es tragische Unglücksfälle,
    wie jetzt im vergangenen Winter mit Urken Sherpa.
    Mit Pemba war ich zusammen in 2019 auf der Ama Dablam. Er hat mir damit einen Traum erfüllt. Wir kennen uns schon einige Jahre. Ich habe ihn 2x nach Deutschland eingeladen, wo wir einige Touren unternommen haben. Er ist extrem umsichtig, was die Sicherheit angeht. Ich kann ihn als Guide nur wärmstens empfehlen. Er wohnt in Phortse gleich neben dem Khumbu Climbing Center. Dort zu bouldern auf knapp 4000m Höhe ist auch noch einmal eine Erfahrung.
    Es ist sehr hilfreich die jungen Leute auch finanziell zu unterstützen. Patenschaften für einen guten Schulbesuch helfen dabei sehr. So lernen sie die englische Sprache und können mit den Touristen, Trekkern und Kletterern kommunizieren.

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