Es ist der erste Todesfall der diesjährigen Frühjahrssaison am Mount Everest – auch wenn sich das Unglück noch unterhalb des Basislagers ereignete. Nach nepalesischen Medienberichten stürzte Lakpa Dendi Sherpa am vergangenen Sonntag auf dem Weg von Gorak Shep, der letzten bewohnten Siedlung des Everest-Tals, zum Basislager und verstarb.
Der 51 Jahre alte Nepalese habe eine Everest-Expeditionsgruppe der indisch-tibetischen Grenzpolizei geführt, hieß es. Wie genau es zu dem Unfall kam, ist noch unklar. Die letzte Etappe des Trekkings zum Everest-Basislager führt über Moränen des Khumbu-Gletschers und gilt weder als technisch anspruchsvoll noch als besonders gefährlich.
Sechsmal auf dem Makalu
Lakpa Dendi, der aus dem kleinen, auf rund 2000 Meter Höhe gelegenen Dorf Gudel im Solukhumbu stammte, war ein erfahrener Bergsteiger. Nach Angaben der Bergsteiger-Chronik Himalayan Database stand der Sherpa, der für den Veranstalter Seven Summit treks arbeitete, zwischen 2008 und 2025 insgesamt sechsmal auf dem Gipfel des 8485 Meter hohen Makalu.

2016 bestieg er den 8163 Meter hohen Manaslu – nicht den „True Summit“, sondern einen damals bei den kommerziellen Teams üblichen etwas niedrigeren Punkt etwas weiter vorn auf dem Gipfelgrat. 2017 stand Lakpa Dendi auch auf dem „Dach der Welt“, dem Gipfel des Mount Everest auf 8849 Metern. Zu Füßen des höchsten Bergs der Erde endete nun sein Leben abrupt.
Tscheche stirbt offenbar an Höhenlungenödem
Einen weiteren Todesfall gab es am nicht weit entfernten Makalu II. Der Nebengipfel des 8485 Meter hohen Makalu, auch als Kangchungtse bekannt ist, 7678 Meter hoch und wurde 1954 erstmals bestiegen.
David Roubinek, Mitglied einer tschechischen Expedition zum Makalu I und II, starb nach tschechischen Medienberichten während des Abstiegs auf einer Höhe von 7350 Metern – vermutlich an einem Höhenlungenödem.
Die zehnköpfige Expeditionsgruppe hatte sich zuvor geteilt: vier wollten zum Makalu-Hauptgipfel, sechs, darunter Roubinek, zum Makalu II. In Lager 3 auf rund 7400 Metern hätten sich bei dem 38-Jährigen Symptomen der lebensbedrohlichen Höhenkrankheit gezeigt, hieß es.
„Unser Team war direkt vor Ort und hat alles in seiner Macht Stehende getan, um ihn zu retten, konnte ihm aber trotz der Verabreichung von Sauerstoff und weiterer Medikamente nicht mehr helfen“, teilte das Expeditionsteam auf Facebook mit.
Zwei Verletzte im Khumbu-Eisbruch
Verhältnismäßig glimpflich verlief dagegen ein Zwischenfall im Khumbu-Eisbruch. Zwei Bergsteiger gerieten unterhalb von Lager 1 (6100 Meter) in eine kleine Lawine, konnten aber aus dem Eis geborgen werden. Die beiden Leichtverletzten wurden mit einem Rettungshubschrauber ausgeflogen.
Das Sagarmatha Pollution Control Commitee (SPCC), das alljährlich die Icefall Doctors abstellt, hat darauf hingewiesen, dass die in der vergangenen Woche eröffnete Route nach Lager 2 nicht sicher sei. Der Grund: Ein riesiger Eisturm, 55 Meter lang, 28 Meter hoch und 37 Meter breit, hängt wie ein Damoklesschwert über der Route. „Der Serac weist mehrere Risse auf und kann jederzeit einstürzen“, warnt das SPCC.
Günstige Bedingungen erwartet
Das Fixseil-Team, das die Route im oberen Bereich des Bergs sichert, wird in Kürze am rund 8000 Meter hohen Südsattel erwartet, dem letzten Lagerplatz vor dem Gipfel. Für die kommenden Tage rechnen die Meteorologen mit relativ wenig Wind im Gipfelbereich gerechnet.

Das nepalesische Tourismusministerium hat in diesem Frühjahr (Stand: 5. Mai) 464 Everest-Besteigungsgenehmigungen für ausländische Bergsteigerinnen und Bergsteiger erteilt sowie 111 weitere Permits für den benachbarten Lhotse, den mit 8516 Metern vierthöchsten Berg der Erde.
Unter den Gipfelaspirantinnen am Lhotse ist auch die deutsche Bergsteigerin Anja Blacha. Die 35-Jährige will den Berg ohne Flaschensauerstoff besteigen. Im Erfolgsfall wäre es ihr 13. Achttausender ohne Atemmaske. Dann würde Anja nur noch die 8027 Meter hohe Shishapangma in Tibet in ihrer Achttausender-Sammlung fehlen. In diesem Frühjahr haben die chinesisch-tibetischen Behörden keine ausländischen Bergsteigerinnen und Bergsteiger ins Land gelassen.

