Daumendrücken für tschechische Bergsteiger am Baruntse

Nordwestwand des Siebentausenders Baruntse
Nordwestwand des Siebentausenders Baruntse (bei gutem Wetter)

Die Wolkendecke am Baruntse im Osten Nepals will einfach nicht aufreißen. „Die Situation ist unverändert, wir sind auf 7000 Meter Höhe gefangen und können uns nicht bewegen“, teilte Marek Holecek heute via Satellitentelefon mit. „Es schneit immer noch, der Wind bläst, und die Sicht ist gleich null. Wir warten auf ein Wunder, das hoffentlich am Samstag eintreffen wird.“

Für Samstag erwarten die Meteorologen, dass der Schneefall endet und der Wind abflaut. Wie berichtet, hatten Marek und sein tschechischer Seilpartner Radoslav Groh am Dienstag eine neue Route durch die Nordwestwand des 7129 Meter hohen Baruntse vollendet – im Alpinstil, also ohne feste Hochlager, ohne Flaschensauerstoff, ohne Sherpa-Unterstützung.

Drei Stunden gute Sicht würden reichen

Marek Holecek
Marek Holecek

Vor einer Woche waren Marek und Radoslav aus dem Basislager aufgebrochen. Das schlechte Wetter, hervorgerufen durch die Ausläufer eines Zyklons über dem Golf von Bengalen, erwischte die beiden Tschechen mitten in der anspruchsvollen Nordwestwand. Sie kämpften sich durch und erreichten am Dienstag den Gipfel des Baruntse.

Seitdem sitzen sie in ihrem Zelt auf rund 7000 Meter Höhe fest. „Wir sind hundemüde, hungrig und durstig“, schrieb Holecek bereits am Montag, zu der Zeit noch 50 Meter unterhalb des Gipfelgrats. „Wir bräuchten nur drei Stunden gute Sicht, und wir wären sicher unten“, ließ der 46-Jährige gestern wissen. Doch auch für den morgigen Freitag wird noch heftiger Schneefall erwartet.

Regierung beordert Expeditionen zurück

Auch der Mount Everest, rund 15 Kilometer Luftlinie entfernt, ist von Wolken verhüllt. Einige Teams warten noch auf eine letzte Gipfelchance. Die Regierung Nepals forderte allerdings die Expeditionsveranstalter auf, angesichts des schlechten Wetters „für die sofortige Rückkehr der Bergsteiger aus den Bergen“ zu sorgen. Offiziell endet die Frühjahrssaison Anfang Juni.

Update 28. Mai: Das Warten am Baruntse geht weiter. „Wir haben eine weitere höllische Nacht in einem Orkan und bei starkem Schneefall überlebt“, lässt uns Marek wissen. „Wir mussten ständig das Zelt aus dem Schnee ausgraben. Alle unsere Gebete richten sich auf Samstag.“ Dann soll sich das Wetter beruhigen. 

Update 29. Mai: Die erhoffte Wetterbesserung ist eingetroffen. „Wieder eine verrückte, eisige Nacht mit Orkanböen, aber am Morgen gibt es Sonne und keinen Wind!“, meldet Marek. „Lass uns runtergehen, runter, runter!“

Update 29. Mai, 21.30 Uhr: Marek und Radoslav sind 1100 Meter durch lawinengefährdetes Terrain abgestiegen und befinden sich jetzt nach eigener Einschätzung in sicherem Gelände. Morgen sollen sie mit dem Hubschrauber vom Baruntse ausgeflogen werden.