David Göttler kehrt am Everest auf 8650 Metern um

David Göttler bei seinem Gipfelversuch (er trägt eine Maske, die dazu dient, seine Atmung feucht zu halten)

„Ich habe es nicht bis zum Gipfel des Everest geschafft, aber ich hatte trotzdem einen ganz speziellen Tag“, schreibt David Göttler nach seinem gescheiterten Gipfelversuch ohne Flaschensauerstoff auf Facebook. Der 40 Jahre alte deutsche Profibergsteiger kehrte am Donnerstag auf einer Höhe von 8650 Metern um. Noch am selben Tag stieg er nach Lager 2 auf 6600 Metern ab, heute dann ins Basislager.

„Keine Option zu warten“

Er sei, so informiert mich David, um 2.30 Uhr Ortszeit vom Südsattel aufgebrochen, also relativ spät – einerseits, um dem Gros der Gipfelanwärter aus dem Weg zu gehen, andererseits, um die Wärme des Sonnenlichts zu nutzen. Wer auf Flaschensauerstoff verzichtet, muss schnell unterwegs sein, da der Körper deutlich schneller auskühlt. Seine Taktik sei „bis knapp unter dem Südgipfel“ aufgegangen, schreibt David: „Dort machte dann das Wetter zu, und ich lief in all die Leute hinein, die runterkamen.“ Deshalb habe er entschieden umzudrehen. „Da oben ist es keine Option zu warten und Energie zu verschwenden, wenn du ohne zusätzlichen Sauerstoff unterwegs bist.“

Keine Motivation mehr für weiteren Versuch

Menschenschlange am Everest-Gipfelgrat (am Mittwoch)

Göttler will seine Zelte am Everest abbrechen. „Ich denke, die Saison ist für mich vorbei“, schreibt David auf Facebook. Mir gegenüber ergänzt er, dass für die Zeit zwischen dem 1. und 4. Juni noch einmal günstiges Wetter erwartet werde. Dann aber sei die Route durch den Khumbu-Eisbruch wahrscheinlich schon geschlossen. „Ich muss sagen, ich  spüre gerade auch nicht die nötige Motivation nochmal zu starten.“

Der Deutsche war einer der ganz wenigen unter den Hunderten von Bergsteigern auf beiden Seiten des Everest, die in dieser Frühjahrssaison versuchten, den höchsten Berg der Erde ohne Atemmaske zu besteigen. Am Donnerstag wurde gemeldet, dass die Französin Elisabeth Revol und der Chilene Juan Pablo Mohr den höchsten Punkt auf 8850 Metern ohne Flaschensauerstoff erreicht hätten.

Stitzinger mit Flaschensauerstoff am Gipfel

Luis Stitzinger

Noch steht das Schönwetterfenster offen. Auch heute wurden wieder Gipfelerfolge vermeldet, unter anderem der von Luis Stitzinger.  Der 50-Jährige führte über die tibetische Nordseite des Everest für den österreichischen Veranstalter „Furtenbach Adventures“ Kunden auf den Gipfel – mit Flaschensauerstoff. Luis (unser Expeditionsleiter bei der Erstbesteigung des Siebentausenders Kokodak Dome 2014), hat angekündigt, dass er möglicherweise einen Versuch ohne Atemmaske anschließen will – wenn es die Zeit und die Verhältnisse am Berg zulassen.

Sechs Achttausender in vier Wochen

Nirmal Purja am Mittwoch auf dem Everest (im Hintergrund der Makalu)

Am Achttausender Makalu erreichte heute der Nepalese Nirmal Purja den Gipfel auf 8485 Metern. Es war sein sechster Achttausender-Erfolg in vier Wochen. Der 36-Jährige hat sich vorgenommen, alle 14 Achttausender in sieben Monaten zu besteigen. Bisher liegt er im Soll. Der frühere Soldat des britischen Gurkha-Regiments steigt über die Normalrouten auf und benutzt Flaschensauerstoff. Ebenfalls am Gipfel stand heute Muhammad Ali „Sadpara“. Der Makalu war der siebte Achttausender in der Sammlung von Pakistans Top-Bergsteiger. Am 16. Mai hatte der 43-Jährige bereits den Lhotse bestiegen – mit Flaschensauerstoff.

Update 16.30 Uhr: Kein Tag vergeht leider derzeit ohne neue Todesfälle. Nach Angaben der „Himalayan Times“ starb ein Sherpa-Bergführer im Everest-Basislager, kurz nachdem er höhenkrank mit einem Hubschrauber aus Lager 3 geholt worden war. Es war bereits der achte Todesfall der Saison am Everest. Auch am Makalu starb ein Sherpa, im Abstieg vom Gipfel oberhalb von Lager 2.

Die Französin Elisabeth Revol hat nach vorliegenden Berichten nach dem Everest auch den Lhotse bestiegen. Sie sei von mindestens zwei Sherpas begleitet worden, hieß es.