Corona-Infektion am Mount Everest

Südseite des Mount Everest

Nun hat die Corona-Pandemie auch den höchsten Berg der Erde erreicht. Aus dem Basislager auf der nepalesischen Südseite des Mount Everest wird mindestens ein Corona-Fall gemeldet. Das US-Magazin Outside berichtet unter Berufung auf eine Quelle im Basislager, ein Bergsteiger, der mit Verdacht auf ein Höhenlungenödem ausgeflogen wurde, sei in einem Krankenhaus in Kathmandu positiv auf COVID-19 getestet worden. Sein Team im Basislager befinde sich in Quarantäne.

Der nepalesische Journalist Bhadra Sharma, der unter anderem für die New York Times schreibt, berichtet sogar von drei infizierten Bergsteigern und bezieht sich dabei auf die Aussage eines Arztes im Basislager.

Einladung zur Party

Lukas Furtenbach

Wie mich Lukas Furtenbach, Chef des österreichischen Anbieters Furtenbach Adventures, aus Kathmandu informiert, hat sich das für die Everest-Expeditionen zuständige nepalesische Tourismusministerium gegenüber den Veranstaltern noch nicht zu den Medienberichten geäußert. Furtenbach verweist darauf, dass alle Everest-Aspiranten sich nach der Ankunft in Nepal auf Corona testen lassen mussten und erst weiterreisen durften, wenn dieser Test negativ ausfiel. In seinem eigenen Team würden alle Mitarbeiter und Kunden auch im Basislager regelmäßig getestet. Dort gilt zudem eine Maskenpflicht, die Bergsteiger sollen Distanz halten.

„Aber ich sehe, dass es immer noch Teams gibt, die über soziale Medien alle im Basislager zur Party einladen“, sagt Lukas. „Es sollte im Interesse aller – Veranstalter, Bergführer, Expeditionsleiter, Sherpas und Kunden – sein, alles zu tun, um einen Ausbruch im Basislager zu vermeiden. Denn das würde bedeuten, dass die Saison ein vorzeitiges Ende finden wird.“

Erstes Permit, erster Gipfelversuch

Bis heute (21. April) hat das Tourismusministerium 377 Everest-Permits für ausländische Bergsteigerinnen und Bergsteiger ausgestellt – fast so viele wie im Rekordjahr 2019, als 381 Besteigungsgenehmigungen erteilt worden waren.

Menschenschlange am Everest-Gipfelgrat (im Mai 2019)

Für Kopfschütteln dürfte unter den meisten Veranstaltern eine neue Weisung des Ministeriums sorgen, mit dem Staus am Gipfelgrat wie vor zwei Jahren vermieden werden sollen: Nach dem Motto „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ soll das erste Schönwetterfenster von jenen Teams für einen Gipfelversuch genutzt werden dürfen, denen das Ministerium die ersten Permits ausgestellt hat. Das wird vor allem das Team der königlichen Garde Bahrains um Scheich Mohamed Hamad Mohamed Al Khalifa freuen. Die finanzkräftigen Bahrainer hatten die erste Everest-Genehmigung der Frühjahrssaison erhalten.

Update 21.45 Uhr: Nach einem norwegischen Medienbericht handelt es sich bei dem mit COVID-19 infizierten Bergsteiger um den Norweger Erlend Ness. Er habe sich offenbar während des Trekkings zum Basislager mit dem Virus angesteckt. Auch ein Sherpa des Teams sei positiv getestet worden.

Update 22. April: Mira Archaya, zuständige Direktorin im Tourismusministerium, spricht gegenüber der „Kathmandu Post“ lediglich von „Gerüchten“: „Nach dem, was die Offiziellen aus dem Basislager berichten, können wir sagen, dass es keinen Grund zur Sorge gibt. Die Leute leiden auch an ‚Khumbu-Husten‘, und das ist kein neues Phänomen.“ Was für eine Ignoranz!