Göttler und Barmasse: Neue Route am Cho Oyu oder Plan B?

Hervé Barmasse (r.) und David Göttler im Herbst 2019 in Nepal

Ist der andere der perfekte Kletterpartner? Ja, antworten sowohl der 41 Jahre alte deutsche Höhenbergsteiger David Göttler als auch der 42-jährige Italiener Hervé Barmasse. „Wir ergänzen uns super gut“, sagt David. „Wir trainieren mehr oder weniger auf dieselbe Art, wir haben annähernd die gleiche Fitness, wir bewegen uns so schnell, wie es an Achttausendern nötig ist“, sagt Hervé. „Manchmal diskutieren wir aber auch, das ist ganz normal.“ Barmasse sei in Fragen der Bergsteigerethik „teilweise noch krasser als ich“, erzählt Göttler: „Fixseile akzeptiere ich hier und da, wo es Sinn macht. Er ist da rigoroser und sagt: Das machen wir nicht.“

Schnell, sauber, ohne Flaschensauerstoff

Deshalb, berichtet Hervé, habe er David auch nicht zum Everest begleitet. Im Frühjahr 2019 hatte Göttler vergeblich versucht, den höchsten Berg der Erde ohne Flaschensauerstoff zu besteigen – über die mit Fixseilen gesicherte Normalroute. „Ich denke, für die nächste Generation der besten Alpinisten geht es nicht mehr nur noch darum, den Gipfel des Everest oder irgendeines anderen Bergs zu erreichen, sondern darum, den Berg zu respektieren, unseren Planeten zu respektieren“, sagt Barmasse. „Aus diesem Grund will ich sauber klettern, im Alpinstil.“ Im Großen und Ganzen ist er sich darin mit Göttler einig: Schnell, sauber, ohne Atemmaske wollen sie an den Achttausendern unterwegs sein. Das gilt auch für ihr nächstes Projekt.

Wahrscheinlich kein Permit

David auf der Messe ISPO in München

Eigentlich hatten sich die beiden vorgenommen, zusammen mit dem Kolumbianer Andres Marin einen neue Route auf der tibetischen Seite des 8188 Meter hohen Cho Oyu zu eröffnen, „eine Variation Richtung Westwand“, sagt David. Doch im Augenblick sieht es nicht danach aus. „Wahrscheinlich funktioniert es nicht, weil wir von den Chinesen das Permit nicht bekommen“ berichtet Göttler. „Die genehmigen im Augenblick nur die Normalwege.“ Es gebe einen Plan B, sagt David. Wie genau der aussieht, verraten jedoch weder er noch Hervé. Nur so viel: das Alternativziel sei ein Achttausender in Nepal. Die nepalesische Südseite des Cho Oyu ist es nicht. „Meiner Meinung nach ist sie nicht so sicher wie die tibetische Seite“, sagt Barmasse. „Dort haben wir keine Linie gefunden, die zu uns passt“, sagt Göttler.

Kein unnötiges Risiko eingehen

Hervé macht keine Kompromisse in Stilfragen

2017 kletterten die beiden gemeinsam durch die Südwand der 8027 Meter hohen Shishapangma. 2018 reisten sie nach Pakistan, um als Erste die Südwestwand des 7932 Meter hohen Gasherbrum IV zu meistern. Schlechtes Wetter stoppte sie damals – genauso wie im vergangenen Herbst, als sie gemeinsam mit Andres Marin versuchten, die drei Gipfel des Siebentausenders Chamlang zu überschreiten. „Manchmal ist es besser, den Schritt zurück zu machen und dein Leben zu schützen als den Gipfel zu erreichen und dein Leben zu riskieren“, sagt Hervé. „Wir hatten trotzdem tierisch Spaß und haben als Team perfekt zusammengearbeitet“, sagt David. „Das ist unglaublich wichtig.“

Ohnehin  war das Chamlang-Projekt in erster Linie als Vorbereitung auf die geplante Cho-Oyu-Expedition gedacht, die jetzt möglicherweise ins Wasser fällt. Doch Plan B, verspricht Barmasse, bedeutet nicht zweite Wahl. „Wenn es nicht der Cho Oyu wird, haben wir noch eine andere Idee. Und die wird genauso interessant wie die neue Route am Cho Oyu“, sagt Hervé. „Für einige vielleicht sogar noch interessanter.“

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