Winterexpeditionen: Zeit der Entscheidung am Everest

Jost Kobusch am Mount Everest

Mehr als einen Gipfelversuch kann es nicht geben. Darin sind sich Jost Kobusch und der Alex Txikon einig. Beide wollen in diesem Winter den Mount Everest ohne Flaschensauerstoff besteigen, allerdings in unterschiedlichem Stil und auf verschiedenen Routen. Der deutsche Solo-Bergsteiger Kobusch will über den Westgrat und anschließend durch das Hornbein-Couloir in der Nordwand zum höchsten Punkt auf 8850 Metern aufsteigen, der Spanier Txikon mit drei Sherpas über die Lhotseflanke und den Südsattel.

Kobusch ist erneut zum Lho La aufgestiegen, einem rund 6000 Meter hohen Pass an der Grenze zwischen Nepal und Tibet, am Einstieg zum Westgrat. Gestern meldete er sich auf Facebook „bei leichtem Schneefall“ aus Lager 1. Er habe alle Alternativrouten verworfen, verkündete der 27-Jährige und klang dabei nicht gerade optimistisch: „Ich werde meinen finalen Versuch also doch auf der stark vereisten Route wagen, die ich das letzte Mal in einem 17-Stunden-Push erkundet habe.“ Zuletzt klagte Jost über neuerliche Schmerzen im lädierten linken Fuß.

„Unmenschlicher Job“

Alex Txikon im Basislager

Auch Alex Txikons Team spricht von einem bevorstehenden „letzten Angriff“ auf den Gipfel. Der 38 Jahre alte Spanier und seine nepalesischen Mitstreiter Pechhambe Sherpa, Geljen Lama und Nurbu Sherpa waren am Mittwoch ins Basislager zurückgekehrt, Alex hatte von „sehr, sehr schwierigen Bedingungen“ gesprochen.  Heute ging er ins Detail: Wegen des fortwährenden Steinschlags in der Lhotseflanke habe das Quartett versucht, rund 400 Meter links der Normalroute aufzusteigen. Er selbst, schreibt Alex, habe eine Höhe von 6900 Metern erreicht, Nurbu Sherpa sei noch ein Stück weiter bis hinauf auf rund 7000 Meter geklettert.  „Wir machen einen unmenschlichen Job“, so Txikon, „Und wir sind nur zu viert.“ Alex‘ spanischer Teamkollege Oscar Cardo hatte aus Lager 2 ausgeflogen werden müssen, weil sich bei ihm Symptome eines lebensbedrohlichen Hirnödems gezeigt hatten.

Klimawandel lässt grüßen

Blick in die Everest-Nordwand

Txikon weist auf die immer gravierenden Folgen des Klimawandels auch am Everest hin: „Auf der Normalroute hagelt es Steine, wie du es kaum für möglich hältst. In Lager 2 übernachte ich mit einem 350-Gramm-Schlafsack, was bei früheren Versuchen undenkbar war. Und ich habe Wasser auf 6500 Metern gesehen, auch wenn die Sonne nur von neun bis 14.45 Uhr scheint.“

Die Aussichten auf günstiges Wetter am Mount Everest sind eher mäßig. Möglicherweise gibt es in der zweiten Hälfte der kommenden Woche einige Tage mit viel Sonne und wenig Wind im Gipfelbereich. „Keine Kapitulation“, schreibt Txikon. „Wenn das Wetter uns eine Chance gibt, werden wir kämpfen.“ Dennoch erscheinen die Chancen auf einen Gipfelerfolg derzeit eher gering  – sowohl für Alex und Co. als auch für den Einzelkämpfer Jost Kobusch.

Update 22. Januar: Jost Kobusch ist heute weiter Richtung Westschulter aufgestiegen, bis auf eine Höhe von knapp 6800 Metern. Hier ist der Link zu seinem GPS-Tracker. 

Update 24. Januar: Laut seinem GPS-Tracker ist Jost heute bis zur Everest-Westschulter auf rund 7300 Metern auf- und dann wieder nach Lager 2 auf rund 6800 Metern abgestiegen. 

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Eine Antwort auf „Winterexpeditionen: Zeit der Entscheidung am Everest“

  1. Ich war selbst am Everest , allerdings vor 7 Jahren. Heute sind andere Zeiten und der Klimawandel schreitet voran, auch am höchsten Berg. Ich finde es mehr als verrückt auf “ Gedeih und Verderb“ da hoch zu gehen. Ich sehe nicht nur dieses Bergmassiv als Mahnung. Und kann Reinhold Messner nur zustimmen. Hört auf mit dem Wahnsinn und beweisst Euch nichts. Die Erde euch untertan machen? DAS schafft Keiner.

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