Kilian Jornet kehrt am Everest auf 8300 Metern um

Kilian Jornet oberhalb des Südsattels (Blick auf Lhotse)

Die Herbst-Saison am Mount Everest ist zu Ende, ohne dass ein Bergsteiger den Gipfel auf 8850 Metern erreichen konnte. „Alle anderen Teams sind nach Hause gegangen, die Bergsteiger sind vom Berg runter, und ich bin der Letzte hier“, schrieb der US-amerikanische Expeditionsleiter Garrett Madison am Sonntag aus dem Basislager auf der nepalesischen Südseite. Bis zuletzt hatten er und sein Team darauf gehofft, dass der riesige Serac, der – wie berichtet – rund 800 Meter über dem Khumbu-Eisbruch hängt und jeden Augenblick herabzustürzen droht, abbrechen würde. „Doch selbst wenn der Serac jetzt heruntergekommen wäre, unsere Bergsteiger in einigen Tagen ins Basislager zurückgekehrt wären und wir perfekte Wetter- und Routenbedingungen zum Klettern gehabt hätten, hätten wir mehr als zwei Wochen über das ursprüngliche Ende (der Expedition) hinaus gebraucht, um den Berg zu besteigen.“ Den einzigen Gipfelversuch der Saison am Everest machte der spanische Speedspezialist Kilian Jornet – im Alleingang.

„Interessante Erfahrung“

Monster-Serac über dem Khumbu-Eisfall

„In den vergangenen Tagen konnte ich auf einer Variante der polnischen Route von 1980 (die Polen Jerzy Kukuczka und Andrzej Czok waren über den Südpfeiler aufgestiegen und hatten am 19. Mai 1980 den Gipfel erreicht) mit leichtem Gepäck bis hinauf auf rund 8300 Meter steigen, ehe ich wegen der Lawinenlage umdrehte“, schrieb der 31-Jährige am Sonntag auf Instagram. „Auch wenn dabei kein Gipfelerfolg herauskam, war es eine sehr interessante und starke Erfahrung, eine Expedition mit sehr wenig Gepäck zu machen, alleine am Berg unterwegs und in der Lage zu sein, einige coole Möglichkeiten zu erkunden.“ Im Frühjahr 2017 hatte Kilian den Everest innerhalb einer Woche zweimal über die tibetische Nordseite des Bergs bestiegen, beide Male ohne Flaschensauerstoff. Beim ersten Mal hatte er für den Weg vom Chinese Base Camp bis zum Gipfel lediglich 26 Stunden benötigt, beim zweiten Mal 17 Stunden.

Soria startet zu Gipfelversuch am Dhaualgiri

Dhaulagiri

Nach den ersten Erfolgen der Herbstsaison am Dhaulagiri am vergangenen Donnerstag hat der Spanier Carlos Soria angekündigt, am morgigen Dienstag mit seinen Landsmännern Sito Carcavilla und Luis Miguel Soriano zu einem weiteren Gipfelversuch aufzubrechen. „Wir werden versuchen, den Gipfel des Dhaulagiri am 11. Oktober zu erreichen“, ließ Carlos via Twitter wissen. Beim ersten Versuch in der vergangenen Woche war Soria von Lager 2 aus umgekehrt, nach seiner Meinung lag zu viel Schnee auf der Route. Der 80-Jährige ist bereits zum zehnten Mal am siebthöchsten Berg der Erde unterwegs. Neben dem Dhaulagiri fehlt Soria nur noch die Shishapangma in seiner Achttausender-Sammlung.

Purja braucht Geduld

Nirmal Purja hofft auf Permit

Apropos Shishapangma: Noch immer gibt es keine offizielle Bestätigung, dass der nepalesische Bergsteiger Nirmal „Nims“ Purja in diesem Herbst mit einem Sonder-Permit den in Tibet gelegenen Achttausender besteigen darf und damit sein „Project Possible“ – alle 14 Achttausender in sieben Monaten – erfolgreich abschließen kann. Allerdings war die chinesische Botschaft in Kathmandu, die die Besteigungsgenehmigung an Purja aushändigen soll, wegen des chinesischen Nationalfeiertags am 1. Oktober eine Woche geschlossen. Seit Ende April hat Nims in einem bislang beispiellosen Parforceritt 13 Achttausender bestiegen. Nur die 8027 Meter hohe Shishapangma, der niedrigste Achttausender, fehlt ihm noch. Die chinesisch-tibetischen Behörden hatten den Berg für diese Herbstsaison eigentlich gesperrt, aus Sicherheitsgründen, wie es hieß. Angeblich wollen sie jedoch für Purja eine Ausnahme machen.

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